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Das Wichtigste in Kürze
- „Der Schwarm“ verbindet vier Dinge: recherchierte Wissenschaft, eine globale Katastrophe, ein großes Figurenensemble und knapp tausend Seiten Umfang.
- Kein einziger Roman liefert alle vier. Deshalb führt die Frage „was ist ähnlich?“ zu schlechten Empfehlungen, solange nicht klar ist, welcher Teil gemeint war.
- Wer die deutsche Fassung derselben Machart sucht, liest „Blackout“ von Marc Elsberg.
- Wer die fremde Intelligenz im Meer sucht, liest „Solaris“ von Stanisław Lem.
- Wer die Wissenschaft als Motor ohne Katastrophenlage sucht, liest „Der Marsianer“ von Andy Weir.
- Wer den Klimastoff in derselben Größenordnung sucht, liest „Das Ministerium für die Zukunft“ von Kim Stanley Robinson.
Warum „ähnlich wie Der Schwarm“ vier verschiedene Fragen sind
„Der Schwarm“ erschien 2004, verkaufte sich allein in Deutschland über vier Millionen Mal und hat das Genre des recherchierten Wissenschaftsthrillers hierzulande erst populär gemacht. Vor Peru verschwinden Fischer, vor Norwegen bohren sich Würmer in den Kontinentalhang, an der kanadischen Küste greifen Wale Boote an. Ein internationales Team findet heraus, dass eine Intelligenz in der Tiefsee dahintersteckt, die Schätzing Yrr nennt.
Der Roman wirkt aus vier Bestandteilen, und Leser meinen fast immer nur einen davon.
Die Wissenschaft. Schätzing hat vier Jahre recherchiert und erklärt Meeresbiologie, Geologie und Ozeanografie mitten in der Handlung. Wer das mochte, will Sachwissen im Roman und keine Actionszenen.
Die Katastrophe. Der Tsunami, der die Nordseeküste trifft, gehört zu den meistzitierten Kapiteln der deutschen Unterhaltungsliteratur. Wer das mochte, sucht das Gefühl, dass eine bekannte Welt zusammenbricht.
Die fremde Intelligenz. Die Yrr denken anders als Menschen, und der Roman verweigert die einfache Übersetzung. Diese Achse ist die literarisch interessanteste und hat eine lange Tradition in der Science-Fiction.
Der Umfang. Fast tausend Seiten mit einem Dutzend Erzählsträngen. Manche Leser suchen schlicht wieder ein Buch, das drei Wochen hält.
Sechs Bücher, sortiert nach dem Bestandteil, den sie liefern
1. „Blackout“ von Marc Elsberg
An einem Winterabend fällt in Europa der Strom aus, und er kommt nicht wieder. Ein italienischer Programmierer erkennt, dass die Stromzähler manipuliert wurden, und niemand glaubt ihm. Der Roman zählt die Tage und beschreibt, was in Krankenhäusern, Ställen und Kernkraftwerken passiert, wenn niemand die Anlagen bedienen kann.
Warum ähnlich: Von allen sechs Titeln der nächste Treffer. Elsberg baut den Roman genauso wie Schätzing: eine technische Ausgangslage, die stimmt, ein Ensemble über mehrere Länder, kurze Kapitel mit Ortsangabe im Kopf und ein Anhang mit Quellen. Wer bei „Der Schwarm“ mitgelesen hat, wie eine Methanhydratlagerstätte funktioniert, bekommt hier das Stromnetz erklärt.
Was anders ist: Es gibt keine fremde Intelligenz und keine Naturgewalt. Die Ursache ist menschgemacht, und der Roman bleibt mit rund achthundert Seiten näher am Thriller. Elsberg schreibt zudem nüchterner, Schätzing gönnt sich mehr Bilder.
Für wen: Für Leser, die die Machart wollen und mit einer technischen statt einer biologischen Katastrophe zurechtkommen. Der naheliegendste nächste Schritt nach „Der Schwarm“.
2. „Solaris“ von Stanisław Lem
Der Psychologe Kelvin kommt auf eine Station über dem Planeten Solaris, dessen Oberfläche vollständig aus einem Ozean besteht. Seit hundert Jahren versucht die Wissenschaft, diesen Ozean zu verstehen, und ist keinen Schritt weiter. Dann beginnt er, den Besatzungsmitgliedern Menschen aus ihrer Vergangenheit zu schicken.
Warum ähnlich: Das ist die Yrr-Idee in ihrer literarisch strengsten Fassung. Ein Ozean, der denkt, ein Kontakt, der nicht gelingt, und die Einsicht, dass menschliche Begriffe an dieser Sache scheitern. Schätzing hat den Bezug in Interviews selbst hergestellt, und wer die Kapitel über die Yrr am spannendsten fand, findet hier den Ursprung.
Was anders ist: Lem verzichtet auf Handlung im Thrillersinn. An die Stelle von Rettungsaktion, Tsunami und Ensemble treten eine Station mit drei Leuten und ein Buch über die Grenzen des Erkennens. Rund zweihundertfünfzig Seiten, dafür anspruchsvoll.
Für wen: Für Leser, denen die fremde Intelligenz wichtiger war als die Katastrophe. Achte auf die Übersetzung: Die deutsche Ausgabe war lange aus dem Polnischen über das Französische übertragen, seit 2013 gibt es eine direkte Neuübersetzung.
3. „Die Andromeda-Krise“ von Michael Crichton
Ein Satellit stürzt über einer Kleinstadt in Arizona ab, und bis auf zwei Menschen sterben alle Bewohner innerhalb von Minuten. Ein vorbereitetes Team aus vier Wissenschaftlern zieht sich in ein unterirdisches Labor zurück, um den Erreger zu bestimmen, bevor er sich ausbreitet.
Warum ähnlich: Der Urahn der Gattung. Crichton hat 1969 die Form erfunden, die Schätzing benutzt: echte Wissenschaft, Protokolle und Diagramme im Text, ein Team aus Fachleuten und eine Bedrohung, die man erst verstehen muss, bevor man sie bekämpfen kann. Ohne dieses Buch gäbe es „Der Schwarm“ nicht.
Was anders ist: Der Roman ist mit gut dreihundert Seiten deutlich kürzer und spielt fast vollständig in einem Labor. Es gibt keine Weltkulisse, kaum Privatleben der Figuren und nichts, was man Gefühl nennen könnte. Die Technik von 1969 wirkt heute altertümlich.
Für wen: Für Leser, die den wissenschaftlichen Kern in konzentrierter Form wollen. An zwei Abenden zu schaffen und ein guter Test, ob einem die Gattung liegt.
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4. „Das Jesus-Video“ von Andreas Eschbach
Bei einer Ausgrabung in Israel findet ein Student das Skelett eines Mannes, der vor zweitausend Jahren begraben wurde und die Bedienungsanleitung einer Videokamera bei sich trug, die es erst in einigen Jahren geben wird. Die Suche nach der Kassette beginnt, und mehrere Parteien wollen sie zuerst haben.
Warum ähnlich: Dieselbe Bauweise auf Deutsch: eine Ausgangsidee, die sich naturwissenschaftlich durchdenken lässt, ein Autor, der seine Recherche zeigt, und eine Handlung, die daraus folgt statt aufgesetzt zu sein. Eschbach und Schätzing gehören zu den wenigen deutschen Autoren, die das können.
Was anders ist: Der Stoff ist Zeitreise statt Ozeanforschung, und der Roman ist mit rund sechshundert Seiten kürzer. Die Figuren sind eher Funktionsträger, und die religiöse Dimension nimmt in der zweiten Hälfte viel Raum ein.
Für wen: Für Leser, die deutsche Wissenschaftsthriller mögen und ein Buch für eine Woche suchen. Mehr von diesem Autor steht auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie die von Andreas Eschbach.
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5. „Der Marsianer“ von Andy Weir
Mark Watney bleibt nach einem Sandsturm allein auf dem Mars zurück, weil seine Crew ihn für tot hält. Er hat Nahrung für einen Monat und muss vier Jahre überstehen. Der Roman besteht zum großen Teil aus seinen Logbucheinträgen, in denen er ausrechnet, wie er Wasser herstellt und Kartoffeln anbaut.
Warum ähnlich: Wissenschaft als Motor der Handlung, und zwar in Reinform. Wie bei Schätzing entsteht die Spannung daraus, dass jemand ein reales Problem mit realem Wissen löst, und wie bei Schätzing lernt der Leser dabei etwas. Weir hat seine Chemie und Bahnmechanik nachrechnen lassen.
Was anders ist: Es gibt keine Katastrophe für die Menschheit, kein Ensemble und keine fremde Intelligenz. Der Roman hat eine Hauptfigur, viel Humor und eine durchgehend zuversichtliche Grundstimmung. Mit gut vierhundert Seiten ist er halb so lang.
Für wen: Für Leser, die die Wissenschaft mochten und die düstere Weltlage nicht brauchen. Der leichteste Einstieg dieser Liste und auch für Jugendliche ab etwa fünfzehn geeignet.
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6. „Das Ministerium für die Zukunft“ von Kim Stanley Robinson
Eine Hitzewelle in Indien tötet zwanzig Millionen Menschen. Danach richtet die Staatengemeinschaft in Zürich eine Behörde ein, die die Interessen künftiger Generationen vertreten soll. Der Roman verfolgt über Jahrzehnte, was diese Behörde erreicht, und schiebt zwischen die Kapitel Protokolle, Zeugenberichte und Rätsel.
Warum ähnlich: Dieselbe Größenordnung und dieselbe Absicht, aus Forschungsstand Erzählung zu machen. Robinson arbeitet wie Schätzing mit einem weit verzweigten Ensemble über Kontinente hinweg, und beide Romane wollen ihre Leser über den Zustand des Planeten aufklären.
Was anders ist: Robinson erzählt über Jahrzehnte statt über Monate und interessiert sich mehr für Politik und Finanzwesen als für Naturwissenschaft. Das Buch ist formal unruhig, weil zwischen den Handlungskapiteln essayistische Einschübe stehen. Einen klassischen Spannungsbogen gibt es nicht.
Für wen: Für Leser, die den Umfang und den Ernst suchen und mit einer sperrigen Form zurechtkommen. Rund siebenhundert Seiten und der anspruchsvollste Titel dieser Liste.
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Wenn du bei Frank Schätzing bleiben willst
„Limit“ von 2009 ist mit rund tausenddreihundert Seiten sein längstes Buch und spielt 2025 zwischen Mond und Shanghai. Es hat dieselbe Machart, wird aber verbreitet als überladen empfunden. „Breaking News“ von 2014 verlegt das Verfahren in den Nahostkonflikt und kommt ohne Science-Fiction aus.
„Was, wenn wir einfach die Welt retten?“ von 2021 ist ein Sachbuch zum Klimawandel. Wer nach „Der Schwarm“ wissen will, was Schätzing selbst über die Lage denkt, findet es dort.
Die Verfilmung als Serie lief 2023 in der ARD und bei ZDFneo, mit acht Folgen und internationaler Besetzung. Sie verlegt die Handlung in die Gegenwart, ändert mehrere Figuren und lässt den Schluss offen. Wer das Buch kennt, sollte sie als eigene Fassung nehmen.
Was ich von „Der Schwarm“ halte
Der Roman hat mir beigebracht, dass ein Unterhaltungsbuch etwas erklären darf, ohne dass es zum Schulbuch wird. Die Kapitel über den Kontinentalhang vor Norwegen habe ich zweimal gelesen, weil sie so gut aufgebaut sind: erst der Befund, dann die Erklärung, dann die Folge. Das ist Handwerk auf hohem Niveau.
Was mich stört, ist das letzte Fünftel. Sobald die Yrr erklärt werden, verliert das Buch seinen besten Einfall, nämlich die Unverständlichkeit. Lem hält bei „Solaris“ genau das durch, und deshalb bleibt sein Roman der stärkere, obwohl er ein Viertel so lang ist. Dazu kommt eine Figur wie Karen Weaver, die vor allem da ist, damit jemand die Fragen des Lesers stellt.
Meine Empfehlung: Lies „Der Schwarm“ wegen der ersten sechshundert Seiten. Wenn dich danach die Yrr weiter beschäftigen, geh zu Lem.
Drei Titel, die überall empfohlen werden und hier fehlen
„Der Schwarm“ von Michael Crichton. Verwechslungsgefahr: Crichtons „Beute“ handelt von Nanopartikeln und wird in Listen gelegentlich falsch betitelt. Das Buch ist deutlich schwächer als „Die Andromeda-Krise“ und lohnt den Umweg nicht.
„Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann. Steht in mancher Liste, weil beide Romane Wissenschaft behandeln. Kehlmann schreibt einen historischen Roman über Gauß und Humboldt, mit Ironie und ohne jede Spannungshandlung. Die Verbindung besteht nur im Stichwort.
„Sakrileg“ von Dan Brown. Wird genannt, weil beide Bücher dicke Bestseller mit Rechercheanteil sind. Brown recherchiert allerdings Symbolik und Kirchengeschichte, und seine Sachanteile halten der Prüfung selten stand. Wer diese Richtung sucht, findet sie auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie „Sakrileg“.
Häufige Fragen
Muss man Meeresbiologie mögen, um „Der Schwarm“ zu lesen?
Nein. Schätzing erklärt jeden Fachbegriff im Text, und die Erklärungen stehen an den Stellen, an denen sie für die Handlung gebraucht werden. Vorwissen hilft, ist aber keine Voraussetzung.
Welches Buch ist „Der Schwarm“ am ähnlichsten?
In der Machart „Blackout“, in der Idee „Solaris“. Die beiden Antworten liegen weit auseinander, weil der Roman aus zwei Teilen besteht.
Gibt es eine Fortsetzung?
Nein. „Der Schwarm“ ist ein abgeschlossener Roman. Die Serie von 2023 endet zwar offen, eine zweite Staffel war bis September 2026 nicht bestätigt.
Ist der Roman als Schullektüre geeignet?
Wegen des Umfangs selten als Ganzschrift, dafür regelmäßig in Auszügen im Biologie- und Erdkundeunterricht. Die Tsunami-Kapitel werden häufig für Referate herangezogen.
Wie viel davon stimmt?
Die naturwissenschaftliche Grundlage ist bis auf die Yrr belastbar. Methanhydrate am Kontinentalhang, der Sturegga-Rutsch vor achttausend Jahren und die Gefahr eines Tsunamis in der Nordsee sind reale Forschungsgegenstände. Die Intelligenz in der Tiefsee ist Erfindung.
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Weitere Ausgangstitel mit Anschlussempfehlungen stehen in der Übersicht Alle Bücher mit Empfehlungen. Thematisch daneben liegen die Seiten zu ähnlichen Büchern wie die von Andreas Eschbach und der Beitrag Science-Fiction in und aus Deutschland.
Dein Ausgangstitel steht hier nicht? Der Buchfinder für ähnliche Bücher nimmt jeden Titel entgegen und schlägt dir bis zu drei Anschlussbücher mit Begründung vor.
Diese Seite verantwortet Jakob Sommer. Welche Bücher ich selbst gelesen habe und wo eine Einschätzung auf Rezensionen und Verlagsangaben beruht, steht unter Die Methode.
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