Ähnliche Bücher wie „Der kleine Prinz“ – 6 Empfehlungen nach Lesart

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Das Wichtigste in Kürze

  • „Der kleine Prinz“ verbindet vier Dinge: die Kindersicht auf die Erwachsenenwelt, eine Reise durch Stationen, kurze Sätze zum Merken und einen Abschied, der wehtut.
  • Die meisten Listen empfehlen nur Kinderbücher. Erwachsene, die den Roman lieben, meinen fast immer den Ton und die Melancholie.
  • Wer die Kindersicht auf die Erwachsenen sucht, liest „Momo“ von Michael Ende.
  • Wer die Sätze und die Zeichnungen sucht, liest „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ von Charlie Mackesy.
  • Wer den Abschied sucht, liest „Oskar und die Dame in Rosa“ von Éric-Emmanuel Schmitt.
  • Wer die Stationenreise sucht, liest „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll.

Warum „ähnlich wie Der kleine Prinz“ zwei verschiedene Fragen sind

„Der kleine Prinz“ erschien 1943 in New York, zuerst auf Englisch und Französisch, und ist heute in über dreihundert Sprachen und Dialekte übersetzt. Ein Pilot strandet mit einem Motorschaden in der Sahara. Am Morgen steht ein Junge vor ihm und bittet ihn, ein Schaf zu zeichnen. Was folgt, sind acht Tage Gespräch und die Erzählung von sechs Planeten mit je einem Bewohner: ein König ohne Untertanen, ein Eitler, ein Trinker, ein Geschäftsmann, ein Laternenanzünder und ein Geograf, der seine eigene Welt nicht kennt.

Das Buch wird an zwei völlig verschiedene Leser verkauft. Kindern liest man es vor, weil es kurz und bebildert ist. Erwachsene lesen es, weil sie eine Melancholie darin finden, die in Kinderbüchern selten vorkommt: Der Prinz kehrt am Ende nicht zurück, und der Erzähler weiß bis zuletzt nicht sicher, ob er sein Schaf gefressen hat oder nicht.

Wer nach etwas Ähnlichem sucht, muss deshalb zuerst entscheiden, welche der beiden Lesarten gemeint ist. Danach sortiert sich die Liste unten.

Die Kindersicht. Ein Kind sieht, was Erwachsene übersehen, und die Erwachsenen erscheinen dabei absurd. Diese Konstruktion ist der Motor des Buches und wird bis heute benutzt.

Der Ton. Kurze Sätze, viel Weißraum, Zeichnungen des Autors, und ein Schluss, der Trost verweigert. Wer das sucht, findet es weder in Fantasy noch in klassischen Kinderbüchern.

Sechs Bücher, sortiert nach dem, was du suchst

Bei jedem Titel steht, worin die Ähnlichkeit besteht, was ihm im Vergleich fehlt und für welchen Leser er sich lohnt.

1. „Momo“ von Michael Ende

Ein Mädchen ohne Eltern lebt in der Ruine eines Amphitheaters und kann zuhören wie niemand sonst. Dann tauchen die grauen Herren von der Zeitsparkasse auf und überreden die Erwachsenen, Zeit zu sparen. Die Stadt wird schneller, freudloser und leer, und nur Momo merkt es.

Warum ähnlich: Dieselbe Konstruktion: Ein Kind durchschaut, was die Erwachsenen sich eingeredet haben, und jede erwachsene Figur steht für eine Haltung, die widerlegt wird. Endes Zeitsparer sind die direkten Verwandten von Saint-Exupérys Geschäftsmann, der Sterne zählt und besitzt.

Was anders ist: Momo hat eine richtige Handlung mit Gegnern, Verfolgung und Auflösung, während „Der kleine Prinz“ fast nur aus Gesprächen besteht. Ende ist mit dreihundert Seiten deutlich länger und geht am Ende versöhnlicher aus.

Für wen: Für Leser ab etwa zehn und für Erwachsene, die die Gesellschaftskritik wollen und eine Handlung dazu. Von den sechs Titeln der beste zum Vorlesen.

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2. „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ von Charlie Mackesy

Vier Figuren gehen durch eine Landschaft und reden miteinander. Der Junge fragt, der Maulwurf mag Kuchen, der Fuchs schweigt fast durchgehend, und das Pferd sagt die Sätze, die man sich anstreicht. Das Buch besteht aus Tuschezeichnungen mit handgeschriebenem Text.

Warum ähnlich: Das ist die heutige Fassung derselben Sache. Kurze Sätze über Freundschaft, Angst und Freundlichkeit, dazu Zeichnungen des Autors, und ein Buch, das an Erwachsene verschenkt wird, obwohl es aussieht wie ein Kinderbuch. Mackesy wird aus genau demselben Grund gekauft wie Saint-Exupéry.

Was anders ist: Es gibt keine Handlung und keine Reise. Der Band ist eine Folge von Bildern und Sprüchen ohne Rahmen, und die Melancholie des Originals fehlt. Mackesy tröstet, Saint-Exupéry nimmt Abschied.

Für wen: Für Leser, die die Sätze und die Bilder suchen, und für alle, die ein Geschenkbuch brauchen. In einer halben Stunde durchgeblättert und danach immer wieder aufgeschlagen.

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3. „Oskar und die Dame in Rosa“ von Éric-Emmanuel Schmitt

Oskar ist zehn, liegt mit Leukämie in der Kinderklinik und weiß, dass die Ärzte aufgegeben haben. Die ehrenamtliche Helferin Rosa schlägt ihm vor, jeden verbleibenden Tag wie zehn Jahre zu leben und Gott Briefe zu schreiben. Zwölf Briefe später ist ein ganzes Leben vergangen.

Warum ähnlich: Es ist derselbe Abschied, nur ohne Umweg über die Metapher. Ein Kind spricht über den Tod klarer als jeder Erwachsene im Buch, und wie bei Saint-Exupéry ist das Ende weder tröstlich noch grausam. Beide Bücher sind kurz genug, um in einer Sitzung gelesen zu werden, und beide hinterlassen etwas.

Was anders ist: Schmitt nennt beim Namen, was Saint-Exupéry in Bilder packt. An die Stelle von Asteroid und Rose tritt ein Krankenhauszimmer. Wer die märchenhafte Ebene braucht, wird sie vermissen.

Für wen: Für erwachsene Leser, die den Abschied gesucht haben und die Direktheit aushalten. Rund hundert Seiten. Als Geschenk an Trauernde geeignet, an Kinder unter zwölf eher nicht.

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4. „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll

Alice folgt einem weißen Kaninchen in seinen Bau und landet in einer Welt, in der Größenverhältnisse, Höflichkeitsregeln und Logik nach eigenen Gesetzen funktionieren. Sie trifft eine Raupe, einen Hutmacher, eine Grinsekatze und eine Königin, die ständig Hinrichtungen anordnet.

Warum ähnlich: Dieselbe Bauform der Stationenreise. Ein Kind wandert von Figur zu Figur, jede Figur vertritt eine Art von Erwachsenenunsinn, und das Kind bleibt die einzige vernünftige Person im Buch. Carrolls Hutmacher und Saint-Exupérys Geschäftsmann sind derselbe Witz.

Was anders ist: Carroll ist verspielt, wo Saint-Exupéry ernst wird. Der Text lebt von Wortspielen, Unsinnsversen und Logikfallen, und er verweigert jede Moral. Wer nach Sätzen zum Anstreichen sucht, findet keine.

Für wen: Für Leser, die die Reise und den Blick auf die Erwachsenen suchen und Freude an Sprachwitz haben. Ab etwa zehn zum Vorlesen, als Erwachsener in einer guten Neuübersetzung deutlich lohnender.

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5. „Der Alchimist“ von Paulo Coelho

Ein andalusischer Hirte träumt zweimal von einem Schatz bei den Pyramiden, verkauft seine Schafe und zieht los. Unterwegs begegnet er einem König, einem Kristallhändler und dem Alchimisten, und jeder sagt ihm einen Satz, der später wiederkehrt.

Warum ähnlich: Dieselbe Wüste und dieselbe Begegnungsstruktur. Beide Bücher setzen einen Reisenden in eine karge Landschaft, lassen ihn Lehrer treffen und enden mit einer Aussage, die man zitieren kann. Coelho hat sich bei Saint-Exupéry hörbar bedient.

Was anders ist: Coelho verspricht, dass sich alles fügt, wenn man nur will. Saint-Exupéry verspricht nichts. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen den beiden, und er entscheidet darüber, ob man das eine Buch mag und das andere nicht.

Für wen: Für Leser, die den Ton suchen und Zuversicht der Melancholie vorziehen. Ausführlich steht das auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie „Der Alchimist“.

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6. „Pu der Bär“ von A. A. Milne

Ein Bär mit wenig Verstand und viel Freundlichkeit lebt mit Ferkel, I-Ah und Kaninchen im Hundertsechzig-Morgen-Wald. Es passiert wenig: Honigsuche, ein Geburtstag, ein Ausflug zum Nordpol, der eher ein Spaziergang ist.

Warum ähnlich: Der freundliche Zwilling. Auch hier stehen kurze Kapitel, klare Figuren mit je einer Eigenschaft und Sätze, die Erwachsene sich merken. Und auch hier steckt hinter der Kinderbuchoberfläche eine Haltung zum Leben, die man erst später bemerkt.

Was anders ist: Milne ist heiter und lässt niemanden zurück. Es gibt keinen Abschied, keinen Tod und keine Kritik an den Erwachsenen, denn Erwachsene kommen kaum vor. Wer die Traurigkeit gesucht hat, findet sie hier nicht.

Für wen: Für Leser, die den Ton mögen und danach etwas Leichtes brauchen. Ab fünf zum Vorlesen und als Erwachsener in einer Stunde wiedergelesen.

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Wenn du bei Saint-Exupéry bleiben willst

Saint-Exupéry war Berufspilot und hat den größten Teil seines Werks aus dieser Arbeit gezogen. „Nachtflug“ von 1931 erzählt eine Nacht im Postflugdienst über Südamerika und ist der Roman, für den er den Prix Femina bekam. „Wind, Sand und Sterne“ von 1939 sammelt Erinnerungen statt einer durchgehenden Handlung, darunter der Absturz in der libyschen Wüste 1935, aus dem später die Rahmenhandlung von „Der kleine Prinz“ wurde.

Wer wissen will, woher der gestrandete Pilot kommt, liest dieses Buch. Es ist die einzige Stelle im Werk, an der die Wüste keine Kulisse ist.

Was ich von „Der kleine Prinz“ halte

Ich halte den Roman für ein besseres Buch, als seine Zitatkultur vermuten lässt. Der Satz über das Herz und das Wesentliche steht auf so vielen Tassen und Grußkarten, dass man leicht übersieht, wie hart das Ende ist: Der Prinz lässt sich von einer Schlange beißen, damit er nach Hause kommt, und der Erzähler bleibt allein zurück mit der Frage, ob es geklappt hat. Das ist für ein Kinderbuch ein bemerkenswerter Schluss.

Was mich stört, ist die Rose. Die Beziehung zwischen dem Prinzen und seiner Blume wird als Beispiel für Verantwortung erzählt, liest sich aber über weite Strecken wie eine Rechtfertigung dafür, dass man jemanden erträgt, der einen schlecht behandelt. Erwachsene Leser sollten das mitdenken.

Meine Empfehlung: Lies das Buch als Erwachsener noch einmal, aber nicht in der Ausgabe aus der Kindheit. Eine der neueren Übersetzungen macht hörbar, wie karg der Text im Original ist.

Drei Titel, die überall empfohlen werden und hier fehlen

„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Sie steht in fast jeder Liste, weil beide Bücher als Kinderbücher gelten und beide von Erwachsenen gelesen werden. Der Roman ist aber ein Fantasy-Epos mit eigener Welt, Völkern und Karte. Wer nach der Kargheit von „Der kleine Prinz“ dorthin wechselt, bekommt das Gegenteil. Passender ist „Momo“ vom selben Autor.

„Der Zauberer von Oz“ von L. Frank Baum. Die Stationenreise stimmt, der Rest nicht. Baum erzählt ein Abenteuer mit klarem Ziel und glücklichem Ende, und die begegneten Figuren sind Gefährten und keine Karikaturen. Als Reisegeschichte gut, als Anschluss an Saint-Exupéry schwach.

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne. Wird gelegentlich genannt, weil beide Autoren Franzosen sind und beide von Reisen erzählen. Verne schreibt Abenteuer mit technischen Erklärungen und ohne jede philosophische Absicht. Die Verbindung besteht nur auf dem Papier.

Häufige Fragen

Ist „Der kleine Prinz“ ein Kinderbuch?

Beides. Der Text funktioniert vorgelesen ab etwa sechs Jahren, und die Widmung an Léon Werth erklärt ausdrücklich, dass das Buch einem Erwachsenen gewidmet ist, „als er noch ein Kind war“. Die meisten Käufer sind erwachsen.

Welches Buch ist „Der kleine Prinz“ am ähnlichsten?

Im Ton „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“, im Aufbau „Momo“, im Schluss „Oskar und die Dame in Rosa“. Eine einzige Antwort gibt es nicht.

Welche Ausgabe soll ich kaufen?

Achte darauf, dass die Zeichnungen des Autors enthalten sind, denn sie gehören zum Text und werden in manchen Billigausgaben durch fremde Illustrationen ersetzt. Seit 2015 ist das Werk in Deutschland gemeinfrei, und seither gibt es mehrere Neuübersetzungen nebeneinander.

Warum ist das Ende so traurig?

Saint-Exupéry schrieb das Buch 1942 im Exil in New York, während Frankreich besetzt war und er selbst nicht fliegen durfte. Er verschwand im Juli 1944 bei einem Aufklärungsflug über dem Mittelmeer; das Wrack wurde erst 2000 gefunden. Der Abschied im Buch hat einen realen Hintergrund.

Eignet sich der Roman als Schullektüre?

Ja, häufig in Klasse 5 bis 7 und im Französischunterricht der Mittelstufe. Für die Oberstufe ist er zu kurz, taugt aber gut als Vergleichstext zu einer Parabel.

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Weitere Ausgangstitel mit Anschlussempfehlungen stehen in der Übersicht Alle Bücher mit Empfehlungen. Thematisch daneben liegen die Seite zu ähnlichen Büchern wie „Der Alchimist“ und die Liste ähnlicher Bücher wie „Tintenherz“ für jüngere Leser.

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Diese Seite verantwortet Jakob Sommer. Welche Bücher ich selbst gelesen habe und wo eine Einschätzung auf Rezensionen und Verlagsangaben beruht, steht unter Die Methode.

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