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Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt keine weltweite Verkaufsstatistik für Bücher. Jede Zahl in diesem Artikel ist eine Schätzung, und die meisten stammen von den Verlagen selbst.
- „Don Quijote“ führt fast jede Liste mit über 500 Millionen Exemplaren an. Diese Zahl ist seit Jahrzehnten in Umlauf, ohne dass sich eine Quelle dafür benennen ließe – bei einem Buch von 1605 auch schwer vorstellbar.
- Der häufigste Fehler in solchen Listen: Einzelbände und Reihen werden vermischt. „Harry Potter“ hat als siebenbändige Reihe rund 600 Millionen Exemplare verkauft, der erste Band allein etwa 120 Millionen.
- Bibel, Koran und Maos „Rotes Büchlein“ stehen üblicherweise außer Konkurrenz – sie wurden zu großen Teilen verschenkt oder staatlich verteilt, nicht verkauft.
- Verlässliche Zahlen gibt es erst ab den 1990er Jahren, seit Nielsen BookScan und in Deutschland die GfK-Erhebung Kassendaten auswerten – und auch die decken längst nicht jeden Markt ab.
- Der meistgelesene deutschsprachige Autor ist mit geschätzt 200 Millionen Bänden Karl May. Die auflagenstärkste deutsche Serie überhaupt ist „Perry Rhodan“.
- Praktischer Rat: Verkaufszahlen sagen etwas über Verbreitung aus, nichts über Qualität. Als Leseempfehlung taugen sie nur begrenzt.
Warum keine dieser Zahlen wirklich belastbar ist
Bevor die Liste kommt, der Teil, den die meisten Übersichten weglassen: Diese Zahlen sind schlechter belegt, als ihre Genauigkeit vermuten lässt.
Es gibt keine zentrale Erfassung. Bücher werden über Verlage, Buchhandlungen, Buchclubs, Lizenzausgaben, Schulbuchbestellungen und Ramschtische verkauft, in über hundert Ländern und Dutzenden Sprachen. Niemand zählt das zusammen. Was zusammengezählt wird, meldet der jeweilige Rechteinhaber – und der hat ein Interesse an einer großen Zahl.
Historische Werke sind reine Schätzungen. „Don Quijote“ erschien 1605, „Eine Geschichte aus zwei Städten“ 1859. Für die ersten Jahrhunderte ihrer Verbreitung existieren keine Aufzeichnungen, die eine Hochrechnung tragen würden. Die kursierenden 500 beziehungsweise 200 Millionen sind Zahlen, die irgendwann jemand nannte und die seither abgeschrieben werden.
Was zählt als „ein Buch“? Zählt eine Neuübersetzung mit? Eine gekürzte Schulausgabe? Ein Hörbuch? Ein E-Book, das während einer Gratisaktion heruntergeladen wurde? Die Listen beantworten das unterschiedlich und meist gar nicht.
Erst seit den 1990ern wird gemessen. Nielsen BookScan erfasst seit 1998 tatsächliche Kassendaten im englischsprachigen Raum, in Deutschland tut das die GfK-Erhebung für den Buchreport und den Spiegel. Alles davor ist Rekonstruktion. Deshalb wirken moderne Titel in solchen Listen oft unterrepräsentiert: Bei ihnen zählt jemand nach.
Das heißt nicht, dass die Rangfolge unbrauchbar ist. Die Größenordnungen stimmen ungefähr, und niemand bezweifelt, dass „Der kleine Prinz“ zu den meistverbreiteten Büchern der Welt gehört. Man sollte die Zahlen nur nicht mit der Genauigkeit lesen, die ihre Nachkommastellen suggerieren.
Die meistverkauften Einzelbände
Diese Reihenfolge zählt einzelne Werke, keine Reihen. Alle Angaben sind Schätzungen, und die ersten beiden sind die unsichersten.
- Don Quijote von Miguel de Cervantes, 1605 und 1615 in zwei Teilen erschienen – rund 500 Millionen, eine Zahl ohne belegbare Herkunft.
- Eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens, 1859 – rund 200 Millionen, ebenfalls umstritten. Beide Titel profitieren davon, dass sie gemeinfrei sind und von unzähligen Verlagen aufgelegt werden.
- Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry, 1943 – zwischen 140 und 200 Millionen. Die weite Spanne kommt daher, dass unklar ist, wie viele Lizenzausgaben mitgezählt werden.
- Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien, 1954/55 – 100 bis 150 Millionen, gezählt als ein Werk.
- Harry Potter und der Stein der Weisen von J. K. Rowling, 1997 – rund 120 Millionen für den ersten Band allein.
- Der Hobbit von Tolkien, 1937, und Und dann gab’s keines mehr von Agatha Christie, 1939 – jeweils um die 100 Millionen. Christies Roman ist damit der meistverkaufte Kriminalroman überhaupt.
- Der Traum der roten Kammer von Cao Xueqin aus dem 18. Jahrhundert – ebenfalls rund 100 Millionen, fast ausschließlich im chinesischen Sprachraum.
- Der Da Vinci Code von Dan Brown, 2003 – 80 bis 100 Millionen, und damit der erfolgreichste Titel der jüngeren Zeit.
- Der Alchimist von Paulo Coelho, 1988 – 65 bis 85 Millionen.
„Don Quijote“ von Miguel de Cervantes

Alonso Quijano liest zu viele Ritterromane, hält sie irgendwann für Tatsachenberichte und zieht als Ritter los, begleitet von seinem Nachbarn Sancho Pansa. Was als Parodie auf eine damals populäre Groschenliteratur begann, wurde zum ersten modernen Roman Europas: Cervantes lässt seine Figur im zweiten Teil erfahren, dass über sie ein Buch geschrieben wurde – ein Kunstgriff, der 1615 beispiellos war.
Zur Zahl: Die 500 Millionen sind ein Schätzwert ohne belegbare Herkunft. Unstrittig ist, dass „Don Quijote“ in über fünfzig Sprachen vorliegt und seit vier Jahrhunderten ununterbrochen aufgelegt wird.
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„Eine Geschichte aus zwei Städten“ von Charles Dickens

London und Paris zur Zeit der Französischen Revolution. Charles Darnay, ein französischer Adliger, der seinem Stand abgeschworen hat, und Sydney Carton, ein englischer Anwalt ohne Ehrgeiz, lieben dieselbe Frau. Wie das ausgeht, gehört zu den bekanntesten Schlussszenen der englischen Literatur.
Dickens veröffentlichte den Roman 1859 als Fortsetzungsgeschichte in einer Wochenzeitschrift – das erklärt die vielen kleinen Höhepunkte am Kapitelende. Die geschätzten 200 Millionen sind ebenso wenig belegt wie die Zahl bei Cervantes; beide Titel profitieren davon, dass sie gemeinfrei sind und deshalb von unzähligen Verlagen aufgelegt werden.
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„Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien

Ein Hobbit erbt einen Ring, der die Welt beherrschen kann, und macht sich auf den Weg, ihn zu zerstören. Tolkien schrieb daran sechzehn Jahre; erschienen ist das Werk 1954/55 in drei Bänden, weil der Verlag das Papier für einen einzigen nicht aufbringen wollte. Genau deshalb steht es hier bei den Einzelwerken: Tolkien hat es als einen Roman geschrieben.
Mehr dazu in unserer Liste mit Büchern, die ähnlich wie „Der Herr der Ringe“ sind.
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„Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry
Ein Pilot strandet in der Sahara und trifft einen Jungen von einem anderen Planeten. Das 1943 erschienene Buch ist mit rund hundert Seiten das kürzeste dieser Liste und in über 500 Sprachen und Dialekte übersetzt – mehr als jedes andere Buch außer der Bibel. Die Spanne von 140 bis 200 Millionen ist so weit, weil unklar ist, wie viele der zahllosen Lizenzausgaben mitgezählt werden.
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„Der Alchimist“ von Paulo Coelho
Der Hirtenjunge Santiago träumt von einem Schatz bei den Pyramiden und bricht auf. Das Buch erschien 1988 zunächst fast unbemerkt in Brasilien – die erste Auflage lag bei 900 Exemplaren, der Verlag gab die Rechte zurück. Erst über den französischen Markt wurde daraus ein weltweiter Erfolg. Wer wissen will, was danach kommt: Wir haben ähnliche Bücher wie „Der Alchimist“ zusammengestellt.
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Die meistverkauften Buchreihen

Hier werden alle Bände zusammengezählt, weshalb die Zahlen so viel größer ausfallen. Genau diese Vermischung macht viele Bestsellerlisten unbrauchbar.
- Perry Rhodan, seit 1961 von wechselnden Autoren geschrieben – über 3.300 Hefte und schätzungsweise eine Milliarde verkaufte Exemplare.
- Harry Potter von J. K. Rowling, sieben Bände – 500 bis 600 Millionen. Das ist die Zahl, die regelmäßig mit Don Quijote verglichen wird, obwohl dort ein einzelnes Werk steht.
- Gänsehaut von R. L. Stine, über sechzig Bände – rund 350 Millionen, überwiegend an Kinder zwischen acht und zwölf.
- Perry Mason von Erle Stanley Gardner, über achtzig Bände – rund 300 Millionen. In Deutschland kaum bekannt, in den USA jahrzehntelang allgegenwärtig.
- Twilight von Stephenie Meyer, vier Bände – 100 bis 120 Millionen.
- Millennium, begonnen von Stieg Larsson und nach dessen Tod fortgesetzt – 80 bis 100 Millionen.
Die deutsche Besonderheit steht in Zeile eins: „Perry Rhodan“ erscheint seit 1961 wöchentlich als Heftroman und ist mit über 3.300 Ausgaben die umfangreichste durchgehende Science-Fiction-Serie der Welt. In Bestsellerlisten taucht sie fast nie auf, weil Heftromane nicht als Bücher gezählt werden – ein gutes Beispiel dafür, wie sehr solche Ranglisten von Definitionen abhängen.
Zu Harry Potter haben wir eine eigene Liste mit Büchern, die ähnlich wie Harry Potter sind.
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Sonderfall: Bibel, Koran und das Rote Büchlein
Diese drei stehen in seriösen Listen außer Konkurrenz, und das aus einem guten Grund.
Für die Bibel kursieren Schätzungen zwischen 2,5 und 6 Milliarden Exemplaren. Ein erheblicher Teil davon wurde nie verkauft, sondern von Bibelgesellschaften und Missionen verschenkt oder in Hotelzimmer gelegt. Ähnliches gilt für den Koran.
Maos „Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung“, das Rote Büchlein, kommt auf geschätzt 800 bis 900 Millionen Exemplare. Es wurde in China zeitweise faktisch verpflichtend verteilt – mit einem freiwilligen Kauf hat das wenig zu tun.
Wer diese Titel mitzählt, misst Verbreitung. Wer sie weglässt, misst Nachfrage. Beides ist vertretbar, man sollte nur wissen, welche der beiden Fragen eine Liste gerade beantwortet.
Und die meistverkauften deutschen Bücher?
Diese Frage beantworten die internationalen Listen praktisch nie, dabei ist sie für deutschsprachige Leser die interessantere.
- Karl May gilt mit geschätzt rund 200 Millionen Bänden als meistgelesener deutscher Autor überhaupt – getragen von „Winnetou“ und den Orientromanen.
- „Perry Rhodan“ ist, siehe oben, die auflagenstärkste deutsche Serie.
- „Das Parfum“ von Patrick Süskind erschien 1985 und wurde in über vierzig Sprachen übersetzt – der erfolgreichste deutschsprachige Roman der Nachkriegszeit.
- „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende und „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink sind die beiden deutschen Titel, die es am weitesten in die internationalen Schullektüren geschafft haben.
Was ich davon halte
Ich benutze solche Listen nicht als Leseempfehlung. Sie messen Verbreitung, und Verbreitung entsteht durch Verfilmungen, Schullektüren, Flughafenbuchhandlungen und abgelaufene Urheberrechte – nicht dadurch, dass ein Buch gut ist. „Don Quijote“ steht auf Platz eins und wird von den wenigsten, die ihn besitzen, zu Ende gelesen.
Wofür die Liste taugt: als Karte der gemeinsamen Bezugspunkte. Wer wissen will, worauf sich andere Bücher beziehen, findet hier die Titel, die man kennen sollte – ob man sie mag, ist eine andere Frage. Für die Frage, was man als Nächstes lesen sollte, ist die Suche nach ähnlichen Büchern der bessere Weg.
Häufige Fragen
Welches Buch ist das meistverkaufte der Welt?
Rechnet man religiöse Schriften mit, die Bibel mit geschätzt 2,5 bis 6 Milliarden Exemplaren. Unter den literarischen Werken führt „Don Quijote“ die meisten Listen mit rund 500 Millionen an – diese Zahl ist allerdings nicht belegt. Belastbarer sind die Angaben zu „Der kleine Prinz“ und „Harry Potter und der Stein der Weisen“.
Warum unterscheiden sich die Listen so stark?
Weil sie Unterschiedliches zählen. Manche rechnen Reihen als Einheit, andere nur Einzelbände; manche nehmen religiöse Schriften auf, andere nicht; manche zählen Lizenz- und Schulausgaben mit. Ohne diese Angaben ist eine Rangfolge nicht vergleichbar.
Gibt es überhaupt verlässliche Verkaufszahlen?
Für die Zeit ab etwa 1998 ja, zumindest für einzelne Märkte: Nielsen BookScan wertet Kassendaten im englischsprachigen Raum aus, in Deutschland erhebt die GfK die Daten für die Spiegel-Bestsellerliste. Beides erfasst aber nur den jeweiligen Markt und nicht jeden Vertriebsweg.
Ist ein Bestseller automatisch ein gutes Buch?
Nein. Hohe Auflagen entstehen durch Verfilmungen, Schullektüre, Preisaktionen und gemeinfreie Neuausgaben. Umgekehrt gibt es hervorragende Bücher mit vierstelliger Auflage. Verkaufszahlen sind ein Verbreitungsmaß, kein Qualitätsmaß.
Was ist der Unterschied zwischen Bestseller und Longseller?
Ein Bestseller verkauft sich in kurzer Zeit sehr oft und steht dafür auf den wöchentlichen Listen. Ein Longseller verkauft sich über Jahrzehnte gleichmäßig – „Der kleine Prinz“ ist das Musterbeispiel. Fast alle Titel auf dieser Seite sind Longseller, keine Bestseller.
Weiterlesen
Welche Bücher sich in einem konkreten Jahrzehnt am besten verkauft haben, steht in unserer Übersicht zu den Bestsellern von 2000 bis 2010. Eine reine Rangliste ohne Einordnung findest du unter die meistverkauften Bücher der Welt. Wie sich Auflagen und Ausgabeformen unterscheiden, erklären wir im Vergleich gebundenes Buch gegen Taschenbuch, und wer wissen will, wie ein Buch überhaupt entsteht, findet das im Beitrag Buch drucken. Zur literaturgeschichtlichen Einordnung hilft die Übersicht der Literaturepochen.
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