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Das Wichtigste in Kürze
- „Die Bücherdiebin“ besteht aus drei Dingen, die selten zusammen vorkommen: einer Erzählstimme (der Tod), einem Kinderalltag im nationalsozialistischen Deutschland und einer Geschichte über das Lesen. Fast niemand sucht alle drei.
- Wer die Stimme sucht, liest „In meinem Himmel“ von Alice Sebold oder „Der Joker“ von Markus Zusak selbst.
- Wer den Alltag sucht, liest „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, „Jeder stirbt für sich allein“ oder „Alles Licht, das wir nicht sehen“.
- Wer die Bücher im Buch sucht, liest „Die Bibliothekarin von Auschwitz“, „Der Schatten des Windes“ oder „Fahrenheit 451“.
- Der Roman erschien 2005 auf Englisch und 2008 auf Deutsch bei cbj in der Übersetzung von Alexandra Ernst. Er wurde in über 40 Sprachen übersetzt, 2009 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und 2013 verfilmt.
- Für den Unterricht ab Klasse 8 geeignet — mit einer Einschränkung, die weiter unten steht.
Warum „so etwas wie die Bücherdiebin“ drei verschiedene Wünsche sind
Es gibt Bücher, bei denen man sofort weiß, was das Anschlussbuch können muss. Bei diesem hier nicht. Wenn zehn Leute sagen, sie hätten „Die Bücherdiebin“ geliebt, meinen sie im Zweifel drei völlig verschiedene Dinge — und wer das übergeht, empfiehlt an der Hälfte vorbei.
Die einen meinen den Erzähler. Der Tod führt durch das Buch, er ist müde, höflich und beschreibt Himmelsfarben, weil ihm sonst nichts bleibt. Vor allem aber verrät er Ausgänge, bevor sie eintreten: Er sagt früh, wer sterben wird, und nimmt dem Roman damit jede Spannung im üblichen Sinn. Wer das mochte, hat eine erzählerische Entscheidung gemocht, keine Handlung.
Die anderen meinen den Alltag. Molching bei München, 1939 bis 1943. Eine Waschküche, ein Ziehvater mit Akkordeon, eine Ziehmutter, die alle beschimpft und niemanden verrät, ein Junge mit zitronenblondem Haar und ein Mann im Keller, den es offiziell nicht gibt. Der Nationalsozialismus erscheint hier nicht als Kapitel, sondern als Nachbarschaft.
Und die dritten meinen die Bücher. Liesel stiehlt ihr erstes Buch am Grab ihres Bruders, ihr zweites aus einem Bücherverbrennungsfeuer, weitere aus der Bibliothek der Bürgermeisterfrau. Sie lernt daran lesen und schreibt am Ende selbst eines. Bücher sind in diesem Roman kein Motiv, sondern Werkzeug.

Tür 1: die Stimme
Gesucht wird ein Erzähler, der außerhalb der Handlung steht, mehr weiß als alle Figuren und dieses Wissen benutzt.
„In meinem Himmel“ von Alice Sebold
Susie Salmon ist vierzehn, als sie auf dem Heimweg von der Schule ermordet wird. Sie erzählt den Roman aus einem Zwischenhimmel heraus und sieht zu, wie ihre Familie versucht weiterzuleben, wie ihre Schwester erwachsen wird und wie der Mörder zwei Häuser weiter seinen Garten pflegt.
Warum ähnlich: exakt dieselbe Grundentscheidung. Auch hier weiß man von der ersten Seite an, wie es ausgeht, auch hier ersetzt Trauer die Spannung, und auch hier ist die Erzählerin nicht handlungsfähig — sie kann nur sehen. Wer beim Tod als Erzähler nicht das Makabre, sondern die Zärtlichkeit gespürt hat, findet sie hier wieder.
Was anders ist: kein historischer Rahmen, dafür ein Verbrechen, das sehr nah geht. Das Buch ist kein Jugendbuch, auch wenn seine Erzählerin eines ist.
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„Der Joker“ von Markus Zusak
Ed Kennedy ist neunzehn, fährt Taxi, spielt schlecht Karten und verhindert aus reiner Trägheit einen Banküberfall. Kurz darauf liegt eine Spielkarte in seinem Briefkasten, mit drei Adressen darauf. An jeder wartet jemand, dem geholfen werden muss, und niemand sagt ihm, wie.
Warum ähnlich: dieselbe Stimme, drei Jahre früher geschrieben. Kurze Sätze, eingeschobene Zwischenüberschriften mitten im Text, direkte Ansprache des Lesers — alles, was „Die Bücherdiebin“ formal ausmacht, steht hier schon. Und dieselbe Überzeugung: dass gewöhnliche Leute, die nichts Besonderes können, etwas ausrichten.
Was anders ist: Gegenwart, Australien, kein Krieg. Das Buch ist leichter und in der zweiten Hälfte spürbar konstruiert — der Schluss teilt die Leserschaft bis heute.
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Tür 2: der Alltag
Gesucht wird kein Geschichtsbuch, sondern das Gefühl, wie es war — wie Angst zwischen Küche und Straße aussieht, wenn niemand ein Held ist.
„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr
Anna ist neun, als ihre Familie 1933 überstürzt Berlin verlässt, weil der Vater auf einer Liste steht. Über die Schweiz und Frankreich geht es nach England. Das Kaninchen, ein Stofftier, bleibt zurück.
Warum ähnlich: dieselbe Perspektive, dasselbe Alter, dieselbe Technik. Weltgeschichte erscheint als Alltagsproblem eines Kindes: neue Sprache, kein Geld, fremde Schulen, und die Frage, ob man sich einen neuen Federhalter leisten kann. Kerr hat das selbst erlebt — sie war die Tochter des Kritikers Alfred Kerr —, und man merkt dem Buch an, dass nichts daran ausgedacht ist.
Was anders ist: Anna kommt raus, Liesel bleibt drin. Wer die Perspektive der Zurückgebliebenen sucht, ist hier falsch; wer die Kindersicht sucht, findet sie nirgends besser.
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„Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada
Ein Berliner Ehepaar erfährt, dass der Sohn gefallen ist. Danach beginnen die beiden, Postkarten mit handgeschriebenen Sätzen gegen das Regime in Treppenhäusern auszulegen. Fast alle Karten landen bei der Gestapo. Der Roman folgt beiden Seiten, den Schreibenden und dem Kommissar, der sie sucht.
Warum ähnlich: Es ist dieselbe Frage in erwachsener Fassung — was tut ein gewöhnlicher Mensch, der nichts ändern kann. Und es ist die Antwort eines Autors, der dabei war: Fallada schrieb das Buch 1946 in wenigen Wochen, nach einer echten Gestapo-Akte, und starb, bevor es erschien. Wer nach „Die Bücherdiebin“ das Original statt der Nacherzählung will, nimmt dieses.
Was anders ist: Der Ton ist hart, der Roman kennt keinen Trost, und er ist rund doppelt so lang. Nichts für zwischendurch. Er gehört in die Trümmerliteratur, die Epoche unmittelbar nach 1945.
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„Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr
Marie-Laure ist blind und flieht mit ihrem Vater aus Paris nach Saint-Malo. Werner ist Waise, kann Radios reparieren und wird dafür auf eine NS-Eliteschule geholt. Der Roman erzählt beide abwechselnd, bis sie sich begegnen.
Warum ähnlich: die Machart. Sehr kurze Kapitel, eine bildstarke Sprache, zwei Kinder auf verschiedenen Seiten derselben Sache — und dieselbe Weigerung, den deutschen Jungen zum Monster zu machen. Wer bei Rudi Steiner gemerkt hat, dass ihn dieses Buch etwas über die andere Seite lehrt, wird hier weitergeführt. Doerr bekam dafür 2015 den Pulitzer-Preis.
Was anders ist: Doerr schreibt schöner und kälter. Wo Zusak seine Figuren gernhat, betrachtet Doerr sie.
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Tür 3: die Wörter
Gesucht wird das eigentliche Thema des Romans — dass Bücher etwas ausrichten, gerade dann, wenn sie verboten sind.
„Die Bibliothekarin von Auschwitz“ von Antonio Iturbe
Im Familienlager von Auschwitz-Birkenau gab es eine geheime Schule und in ihr acht Bücher. Dita Kraus, vierzehn, war dafür zuständig, sie zu verstecken und auszugeben. Der Roman erzählt ihre Geschichte; Dita Kraus hat es tatsächlich gegeben, und sie hat später ihre eigenen Erinnerungen veröffentlicht.
Warum ähnlich: Es ist dieselbe Idee, an ihren äußersten Punkt getrieben. Bei Liesel ist ein gestohlenes Buch ein Trotz, hier ist es eine Straftat mit Todesfolge. Wer nach „Die Bücherdiebin“ wissen will, ob das mit den Büchern nicht doch romantisiert war, bekommt hier die Antwort — und sie fällt anders aus als erwartet.
Was anders ist: Der Schauplatz ist das Vernichtungslager. Das Buch ist deutlich schwerer zu lesen als Zusaks Roman und für jüngere Leser nicht geeignet.
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„Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón
Barcelona, 1945. Daniel ist zehn, als sein Vater ihn in den „Friedhof der Vergessenen Bücher“ führt, ein verborgenes Labyrinth aus Regalen. Er darf ein Buch mitnehmen und muss es sein Leben lang beschützen. Jemand anders sucht dasselbe Buch, um es zu verbrennen.
Warum ähnlich: ein Kind, ein Buch, eine Stadt nach dem Krieg, in der Bücher verschwinden. Zafón erzählt dabei etwas, das bei Zusak nur angedeutet wird: was ein einzelnes Buch in einem Leben anrichten kann. Dazu kommt eine Diktatur im Hintergrund — Francos Spanien —, die im Roman nie erklärt und immer spürbar ist.
Was anders ist: deutlich verspielter, mit Geheimnissen, Nebenfiguren und Melodram. Wer die Nüchternheit von Zusaks Molching sucht, bekommt hier das Gegenteil — und viele mögen es genau deshalb.
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„Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury
Guy Montag ist Feuerwehrmann in einer Zukunft, in der Feuerwehrleute keine Brände löschen, sondern Bücher verbrennen. Dann trifft er eine Nachbarin, die Fragen stellt, und beginnt, Bände beiseitezuschaffen.
Warum ähnlich: Bradbury schrieb den Roman 1953 unter dem Eindruck der Bücherverbrennungen, und das Bild, das Liesel prägt — ein Kind, das aus einem brennenden Haufen ein Buch zieht —, ist bei ihm das Thema des ganzen Buches. Wer wissen will, was hinter dieser einen Szene steckt, findet es hier ausgeschrieben. Der Schluss, in dem Menschen ganze Bücher auswendig lernen, um sie zu retten, gehört zum Schönsten, was über das Lesen geschrieben wurde.
Was anders ist: Es ist Science-Fiction, kein historischer Roman, und die Figuren sind Träger von Ideen. Wer bei Zusak die Wärme mochte, wird sie hier vermissen.
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Die fünf Figuren, an denen der Roman hängt
Wer eine Empfehlung sucht, sucht oft eigentlich eine bestimmte Figur wieder. Deshalb kurz, wer hier wofür steht.
Hans Hubermann ist der Ziehvater: Anstreicher, Akkordeonspieler, jemand, der nachts am Küchentisch sitzt und einem Kind das Lesen beibringt, weil das Kind nicht schlafen kann. Er verdankt sein Leben einem jüdischen Kameraden aus dem Ersten Weltkrieg, und daraus folgt alles Weitere. Zweimal tut er etwas, das gefährlich ist — einmal mit einem Farbeimer, einmal mit einem Stück Brot —, und beide Male ist er hinterher erschrocken über sich selbst. Das ist die ehrlichste Figur des Romans.
Rosa Hubermann schimpft in jedem Satz, wäscht die Wäsche der reichen Leute und nimmt einen Mann im Keller auf, für den sie mit dem Leben bezahlen würde. Sie ist der Beweis dafür, dass Zusak die Unterscheidung zwischen Umgangston und Charakter beherrscht.
Rudi Steiner wohnt nebenan, will von Liesel einen Kuss und bekommt über Hunderte von Seiten keinen. Seine berühmteste Szene: Er färbt sich mit Kohle schwarz und läuft nachts auf der Aschenbahn die hundert Meter wie Jesse Owens — was 1936 in Deutschland weder komisch noch harmlos ist.
Max Vandenburg, jüdischer Faustkämpfer, lebt im Keller der Hubermanns. Er schreibt für Liesel zwei Bücher, indem er die Seiten eines nationalsozialistischen Standardwerks weiß übermalt und darauf zeichnet. Es ist die beste Idee des Romans.
Ilsa Hermann, die Frau des Bürgermeisters, hat ein Zimmer voller Bücher und einen Sohn, der nicht aus dem Krieg zurückkam. Sie lässt Liesel erst hinein und später, als das nicht mehr geht, das Fenster offen.
Wo „Die Bücherdiebin“ eigentlich steht
Romane über die NS-Zeit werden meistens nach Thema sortiert. Nützlicher sind zwei andere Fragen: Wann wurde geschrieben — damals oder Jahrzehnte später? Und wer schaut: ein Kind oder ein Erwachsener?

Links unten in dieser Karte stehen die Bücher, die aus der Sache selbst heraus entstanden sind: „Das siebte Kreuz“ schrieb Anna Seghers im Exil, während in Deutschland noch geschah, wovon der Roman handelt — sieben Männer fliehen aus einem Lager, sechs werden gefasst. Das ist Exilliteratur im genauen Sinn: Literatur, die im Ausland über ein Land geschrieben wird, das man nicht betreten darf. Falladas Roman folgt 1947 und gehört zur Trümmerliteratur. Beide haben eines gemeinsam: Sie erklären nichts. Sie können voraussetzen, dass der Leser weiß, wovon die Rede ist.
Rechts wird es anders. Wer Jahrzehnte später schreibt, muss erklären — und wählt dafür oft ein Kind, weil ein Kind Fragen stellen darf, die ein Erwachsener nicht mehr stellen kann. „Jakob der Lügner“ von Jurek Becker liegt dazwischen: 1969 geschrieben, von einem Autor, der als Kind im Ghetto und in Lagern war und sich an fast nichts erinnerte. Sein Jakob erfindet ein Radio, um den Leuten im Ghetto Nachrichten zu geben, die es nicht gibt — auch das eine Geschichte darüber, dass Worte etwas ausrichten.
Und ganz rechts unten, direkt neben „Die Bücherdiebin“, steht „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne — mit einer Einschränkung, die man kennen sollte. Der Roman wird seit Jahren von Gedenkstätten und Fachleuten kritisiert, weil seine Voraussetzung nicht stimmt: Ein neunjähriger Sohn eines Lagerkommandanten, der nicht weiß, was hinter dem Zaun geschieht, hat es so nicht gegeben, und die Erfindung verschiebt die Perspektive auf ein deutsches Kind als Opfer. Als Roman funktioniert das Buch; als Zugang zum Thema ist es das schwächste auf dieser Karte. „Die Bücherdiebin“ macht an derselben Stelle etwas anderes: Liesel weiß, dass es Lager gibt, sie sieht die Kolonnen durch Molching ziehen, und der Roman nimmt ihr diese Kenntnis nicht ab.
Mehr zu den Epochen dahinter steht in der Übersicht aller Literaturepochen.
Was ich von „Die Bücherdiebin“ halte
Der Trick mit dem Tod als Erzähler ist entweder das Beste am Buch oder das, woran man scheitert — dazwischen gibt es wenig. Ich halte ihn für richtig, aus einem bestimmten Grund: Er nimmt dem Roman die Möglichkeit, mit dem Sterben Spannung zu erzeugen. Wer zweihundert Seiten vorher weiß, wer nicht überlebt, kann nicht mitfiebern, sondern nur noch zusehen. Genau das ist der angemessene Umgang mit diesem Stoff.
Was mich stört, ist die Sprache an ihren schwächsten Stellen. Zusak greift immer wieder zu Bildern, die wehtun sollen und dabei vor allem sich selbst gefallen — Himmel, die die Farbe von Menschen haben, Wörter, die auf Zungen zerfallen. Es gibt zu viele davon. Das Buch ist am besten, wenn es einfach beschreibt: Rosa Hubermann, die schimpfend Wäsche austrägt, Hans, der nachts Zigaretten dreht und Buchstaben an die Kellerwand malt.
Und eine Beobachtung, die selten gemacht wird: Das ist ein Roman über die deutsche Sprache, geschrieben von einem Australier auf Englisch. Die deutschen Wörter stehen im Original unübersetzt im Text und werden vom Tod erklärt — ein Effekt, der in der deutschen Ausgabe zwangsläufig verlorengeht. Wer Englisch gut genug liest, sollte deshalb einmal ins Original schauen. Es ist ein anderes Buch.
Für die Schule
„Die Bücherdiebin“ ist in vielen Bundesländern Klassenlektüre, meist zwischen Klasse 8 und 10. Was der Roman dabei gut kann: Er zeigt Mitläufertum ohne Zeigefinger. Die Hubermanns sind keine Widerstandskämpfer, sie sind Leute, die einmal Nein sagen und danach Angst haben. Für die Frage, warum so wenige etwas taten, ist das ein besserer Einstieg als jede Aufzählung.
Was der Roman nicht kann: Er ersetzt keine historische Darstellung. Molching ist erfunden, die Zeitläufe sind gerafft, und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung erscheint fast nur als Durchmarsch am Ortsrand — aus Liesels Blickwinkel folgerichtig, als Bild der Verhältnisse unvollständig. Wer eine Arbeit darüber schreibt, sollte den Roman als Deutung behandeln und nicht als Quelle. Ähnlich geht der Beitrag zur Charakterisierung von Tschick vor: erst der Text, dann die Einordnung.
Häufige Fragen
Wer erzählt „Die Bücherdiebin“?
Der Tod. Er tritt als Ich-Erzähler auf, sammelt die Seelen der Gestorbenen ein, findet seine Arbeit abstoßend und interessiert sich für Liesel, weil er ihr im Lauf des Buches dreimal begegnet. Seine Kommentare stehen oft als eingerückte Einschübe mitten im Text.
Für welches Alter ist das Buch geeignet?
Ab etwa 13 bis 14 Jahren. Es gibt keine drastischen Gewaltdarstellungen, aber der Roman endet nicht gut, und er nimmt sich viel Zeit dafür. Jüngere Leser sind eher mit „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ bedient.
Gibt es eine Verfilmung?
Ja, eine deutsch-amerikanische Koproduktion unter der Regie von Brian Percival, 2013 fertiggestellt und 2014 in den deutschen Kinos, mit einer Filmmusik von John Williams. Der Film ist solide gemacht und verzichtet auf das Wesentliche: Der Erzähler kommt nur am Rand vor. Wer das Buch mochte, wird ihn brav finden.
Ist die Geschichte wahr?
Nein, aber sie hat einen wahren Kern. Markus Zusak ist Australier; seine Eltern stammen aus Deutschland und Österreich, und einzelne Bilder aus ihren Erzählungen sind in den Roman eingegangen — darunter die Szene, in der ein Junge einem Gefangenen Brot reicht und dafür ausgepeitscht wird. Molching ist erfunden und einem realen Ort bei München nachgebildet.
Warum heißt der Roman „Die Bücherdiebin“?
Weil Liesel im Lauf der Handlung mehrere Bücher stiehlt und der Tod sie deshalb so nennt. Das erste findet sie im Schnee am Grab ihres Bruders, das zweite zieht sie aus einem noch glimmenden Haufen nach einer Bücherverbrennung, weitere holt sie sich durch ein Fenster. Am Ende schreibt sie selbst eines — und der Erzähler hebt es auf. Der Titel bezeichnet also nicht nur eine Diebin, sondern auch eine Autorin.
Welche Bücher kommen im Roman vor?
Das erste ist ein liegengebliebenes „Handbuch für Totengräber“, das Liesel nicht lesen kann und trotzdem behält. Dazu kommen ein aus dem Feuer gerettetes Buch, mehrere Bände aus der Bibliothek der Bürgermeisterfrau und die beiden, die Max für sie herstellt, indem er die Seiten eines nationalsozialistischen Buches übermalt. Die Auswahl ist kein Zufall: Alle diese Bücher sind entwendet, gerettet oder überschrieben — keines wurde gekauft.
Warum ist das Buch in Deutschland weniger bekannt als im Ausland?
Es erschien hier als Jugendbuch, im Ausland vielfach als Roman für Erwachsene. Dazu kommt, dass der deutsche Markt für Romane über die NS-Zeit aus deutscher Alltagsperspektive gut versorgt war, lange bevor Zusak schrieb — Fallada, Seghers und Becker standen schon in den Regalen. Was den Roman international besonders machte, war für deutsche Leser das Vertraute daran.
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Weitere Ausgangstitel mit passenden Anschlussbüchern stehen in der Übersicht Ähnliche Bücher finden. Zur historischen Einordnung führen die Beiträge zur Exilliteratur, zur Trümmerliteratur und zur Neuen Sachlichkeit, der Strömung, die 1933 abbrach. Wer eine zweite Schullektüre mit starker Erzählstimme sucht, findet sie unter ähnliche Bücher wie „Tschick“.
Du weißt nach dem Buch immer noch nicht, was als Nächstes? Unsere KI-gestützte Buchsuche nimmt jeden Titel entgegen und schlägt dir drei Anschlussbücher mit Begründung vor.
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