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Das Wichtigste in Kürze
- Andreas Eschbach schreibt seit über dreißig Jahren Romane, die aus einer einzigen Frage entstehen: Was wäre, wenn dieses eine Detail anders wäre? Alles Weitere leitet er daraus ab.
- Sein Werk zerfällt in drei Gruppen: Science-Fiction, Gegenwartsthriller mit Technikkern und Jugendbücher. Wer nach etwas Ähnlichem sucht, sollte die Gruppe kennen.
- Wer den recherchierten Wissenschaftsroman sucht, liest „Der Schwarm“ von Frank Schätzing.
- Wer den Technikthriller sucht, liest „Blackout“ von Marc Elsberg.
- Wer die deutsche Science-Fiction mit literarischem Anspruch sucht, liest „Der letzte Tag der Schöpfung“ von Wolfgang Jeschke.
- Wer die Kritik an Datenmacht sucht, liest „Der Circle“ von Dave Eggers oder „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling.
Welcher Eschbach ist gemeint?
Andreas Eschbach ist seit 1995 hauptberuflich Schriftsteller und einer der wenigen deutschen Autoren, die Science-Fiction in die Bestsellerlisten gebracht haben. Sein Verfahren ist in allen Büchern dasselbe: Er setzt eine einzige Änderung an der Wirklichkeit und rechnet sie konsequent durch. Was daraus wird, hängt vom Genre ab, in das er die Frage stellt.
Die Science-Fiction. „Die Haarteppichknüpfer“ von 1995 ist sein Debüt und bis heute sein bestes Buch: Generationen von Knüpfern fertigen Teppiche aus Frauenhaar für den Palast eines Kaisers, den es womöglich nicht mehr gibt. „Herr aller Dinge“ und „Das Marsprojekt“ gehören ebenfalls hierher.
Die Gegenwartsthriller. „Das Jesus-Video“ (1998), „Eine Billion Dollar“ (2001) und „Der Nobelpreis“ (2005). Hier steht eine überprüfbare Ausgangslage am Anfang, und die Handlung folgt daraus.
Die alternative Geschichte. „NSA“ von 2018 verlegt Computer und Mobiltelefone in das Deutschland von 1942 und fragt, was der NS-Staat damit angestellt hätte. Es ist sein politischstes Buch.
Die Empfehlungen unten zielen auf die ersten beiden Gruppen, weil die meisten Leser über „Das Jesus-Video“ oder „Eine Billion Dollar“ zu Eschbach kommen.
Sechs Bücher, sortiert nach dem, was du suchst
1. „Der Schwarm“ von Frank Schätzing
Vor Peru verschwinden Fischer, vor Norwegen bohren sich Würmer in den Kontinentalhang, an der kanadischen Küste greifen Wale Boote an. Ein internationales Team von Wissenschaftlern findet heraus, dass eine Intelligenz in der Tiefsee dahintersteckt.
Warum ähnlich: Der nächste Verwandte auf dem deutschen Markt. Beide Autoren recherchieren jahrelang, erklären ihre Wissenschaft mitten in der Handlung und bauen ihre Romane aus einer Ausgangsidee heraus statt aus einem Plot. Wer bei Eschbach die Erklärkapitel gemocht hat, findet hier tausend Seiten davon.
Was anders ist: Schätzing arbeitet mit einem viel größeren Ensemble und lässt sich für Nebenfiguren mehr Zeit. Eschbach schreibt schlanker und stellt die Idee klarer in den Mittelpunkt. Wer knappe Bücher mag, findet „Der Schwarm“ ausufernd.
Für wen: Für Leser, die Nachschub im selben Fach suchen und ein Buch für drei Wochen wollen. Ausführlich steht das auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie „Der Schwarm“.
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2. „Blackout“ von Marc Elsberg
An einem Winterabend fällt in Europa der Strom aus und kommt nicht wieder. Ein italienischer Programmierer erkennt, dass die Stromzähler manipuliert wurden, und niemand glaubt ihm. Der Roman zählt die Tage und beschreibt, was in Krankenhäusern, Ställen und Kernkraftwerken geschieht.
Warum ähnlich: Dasselbe Verfahren mit einer technischen statt einer wissenschaftlichen Frage. Elsberg setzt eine Ausgangslage, die stimmt, und rechnet die Folgen durch, so wie Eschbach es in „Eine Billion Dollar“ mit einer Erbschaft und in „NSA“ mit der Datenverarbeitung tut.
Was anders ist: Elsberg schreibt näher am Thriller und mit mehr Figuren. Die philosophische Ebene, die Eschbach seinen Ideen gern mitgibt, fehlt weitgehend. Dafür ist das Tempo höher.
Für wen: Für Leser, die den Technikkern mögen und ein zügiges Buch suchen. Elsberg hat mehrere Romane nach demselben Muster geschrieben, sodass Nachschub gesichert ist.
3. „Der letzte Tag der Schöpfung“ von Wolfgang Jeschke
Die US-Marine schickt in den achtziger Jahren Zeitreisende ins Mittelmeer der Vorzeit, um das Erdöl abzupumpen, bevor es entsteht. Das Unternehmen misslingt, und die Rückkehr gelingt nicht. Der Roman folgt den Zurückgebliebenen über Jahrtausende.
Warum ähnlich: Deutsche Science-Fiction mit literarischem Anspruch und derselben Bauweise: eine Ausgangsidee, die politisch, technisch und menschlich zu Ende gedacht wird. Jeschke war jahrzehntelang Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe und hat den Boden bereitet, auf dem Eschbach schreibt.
Was anders ist: Der Roman von 1981 ist erzählerisch anspruchsvoller und in seiner Struktur sprunghaft. Es gibt keine durchgehende Hauptfigur und keinen Spannungsbogen im üblichen Sinn. Die Lektüre verlangt Aufmerksamkeit.
Für wen: Für Leser, die deutsche Science-Fiction jenseits der Bestsellerliste kennenlernen wollen. Rund dreihundert Seiten und ein Schlüsseltext des Genres im deutschsprachigen Raum.
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4. „Der Circle“ von Dave Eggers
Mae Holland bekommt einen Job bei einem kalifornischen Internetkonzern, der Suchmaschine, soziales Netzwerk und Bezahldienst in einem ist. Der Campus bietet alles, was ein Mensch braucht, und verlangt im Gegenzug, dass nichts mehr privat bleibt.
Warum ähnlich: Dieselbe Frage wie in „NSA“, nur mit umgekehrter Ausgangslage: Bei Eschbach zwingt der Staat, bei Eggers stimmen die Leute freiwillig zu. Beide Romane rechnen eine Gegenwartstendenz zu Ende und kommen dabei zu einem unangenehmen Ergebnis.
Was anders ist: Eggers gibt seiner Gegenposition wenig Raum. Der Roman weiß von Anfang an, was er findet, und die Hauptfigur bleibt blass. Bei Eschbach entsteht die Spannung aus der Konstruktion, bei Eggers aus der Empörung.
Für wen: Für Leser, die die Überwachungsfrage in einer heutigen Fassung wollen. Rund fünfhundert Seiten und zügig zu lesen.
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5. „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling
In QualityLand liefert der Onlinehändler, was der Algorithmus für passend hält, bevor man es bestellt. Peter Arbeitsloser will ein Produkt zurückgeben, was das System nicht vorsieht. Zwischen den Kapiteln stehen Werbeanzeigen und Nachrichtenmeldungen aus dieser Welt.
Warum ähnlich: Dieselbe Methode als Komödie. Kling nimmt eine Tendenz, hier die Personalisierung, und rechnet sie ohne Rücksicht zu Ende, genauso wie Eschbach es mit der Datenverarbeitung tut. Und beide bauen ihre Welt aus Details statt aus Erklärungen.
Was anders ist: Kling ist Kabarettist, und das prägt jede Seite. Wo Eschbach ernst bleibt, sucht Kling die Pointe. Die Handlung ist dünner und dient vor allem dazu, die Einfälle aneinanderzureihen.
Für wen: Für Leser, die den Stoff mögen und einen komischen Ton vertragen. Es gibt eine helle und eine dunkle Ausgabe mit leicht unterschiedlichem Inhalt, was für die Lektüre keine Rolle spielt.
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6. „Der Marsianer“ von Andy Weir
Mark Watney bleibt nach einem Sandsturm allein auf dem Mars zurück, weil seine Crew ihn für tot hält. Er hat Nahrung für einen Monat und muss vier Jahre überstehen. Der Roman besteht großenteils aus seinen Logbucheinträgen, in denen er ausrechnet, wie er Wasser herstellt und Kartoffeln anbaut.
Warum ähnlich: Wissenschaft als Motor der Handlung, so wie Eschbach sie einsetzt. Die Spannung entsteht daraus, dass jemand ein reales Problem mit realem Wissen löst, und der Leser lernt dabei etwas. Weir hat seine Chemie und Bahnmechanik nachrechnen lassen.
Was anders ist: Weir bleibt bei einer einzigen Figur und einem einzigen Problem. Die gesellschaftliche Ebene, die Eschbach fast immer mitdenkt, fehlt. Der Ton ist durchgehend heiter, was manche als unpassend empfinden.
Für wen: Für Leser, die den technischen Kern in leichter Form wollen. Auch für Jugendliche ab etwa fünfzehn geeignet und der zugänglichste Titel dieser Liste.
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Was ich von Andreas Eschbach halte
Eschbach ist der zuverlässigste Ideengeber im deutschen Unterhaltungsroman, und er wird dafür zu selten gelobt. „Das Jesus-Video“ hat eine Prämisse, für die andere Autoren eine Karriere geben würden: die Bedienungsanleitung einer Videokamera in einem zweitausend Jahre alten Grab. Aus diesem einen Satz entsteht ein ganzer Roman, und die Konstruktion hält bis zum Schluss.
Was schwächer ist, sind die Figuren. Bei Eschbach dient das Personal meistens der Idee, und man merkt es. In „Eine Billion Dollar“ bleibt der Erbe John Fontanelli über sechshundert Seiten hinweg erstaunlich blass für jemanden, dem die Welt gehört. Wer Romane wegen ihrer Menschen liest, wird bei ihm nicht glücklich.
Meine Empfehlung: Fang mit „Die Haarteppichknüpfer“ an, auch wenn es das ungewöhnlichste Buch ist. Es besteht aus lose verbundenen Kapiteln, und jedes einzelne dreht die Perspektive weiter, bis am Ende ein Bild entsteht, das man vorher nicht kommen sieht.
Drei Titel, die überall empfohlen werden und hier fehlen
„Sakrileg“ von Dan Brown. Steht in Listen, weil „Das Jesus-Video“ ebenfalls ein religiöses Geheimnis behandelt. Brown arbeitet mit Symbolik und Verschwörungsmaterial, Eschbach mit einer naturwissenschaftlich durchdachten Ausgangslage. Wer diese Richtung sucht, findet sie auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie „Sakrileg“.
„Perry Rhodan“. Eschbach hat mehrere Bände für die Serie geschrieben, unter anderem „Das Erbe der Sternenlose“. Wer daraufhin die ganze Heftromanreihe empfiehlt, empfiehlt etwas völlig anderes.
Weitere Bücher von Eschbach selbst. Sie stehen oben nach Werkgruppen sortiert. Als Antwort auf die Frage nach etwas Ähnlichem taugen sie nicht.
Häufige Fragen
Mit welchem Buch fängt man bei Andreas Eschbach an?
Mit „Das Jesus-Video“, wenn es spannend sein soll, und mit „Die Haarteppichknüpfer“, wenn es ungewöhnlich sein darf. Beide sind unabhängig lesbar.
Gibt es Reihen, die man der Reihe nach lesen muss?
Nur „Das Marsprojekt“ mit fünf Bänden für jüngere Leser und die Fortsetzung zu „Das Jesus-Video“ mit dem Titel „Der Jesus-Deal“. Alle anderen Romane sind Einzelbücher.
Sind die Bücher für Jugendliche geeignet?
„Das Marsprojekt“ ist ausdrücklich für Leser ab etwa zwölf geschrieben. „Das Jesus-Video“ und „Eine Billion Dollar“ funktionieren ab etwa fünfzehn. „NSA“ enthält Gewaltdarstellungen aus der NS-Zeit und ist Erwachsenenlektüre.
Welcher deutsche Autor kommt Eschbach am nächsten?
Frank Schätzing in der Recherche, Wolfgang Jeschke im literarischen Anspruch. Marc Elsberg liegt dazwischen.
Wurde etwas verfilmt?
„Das Jesus-Video“ lief 2002 als Zweiteiler im deutschen Fernsehen, „Eine Billion Dollar“ 2023 als Serie bei Paramount+. Beide Fassungen weichen deutlich von den Vorlagen ab.
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Weitere Ausgangstitel mit Anschlussempfehlungen stehen in der Übersicht Alle Bücher mit Empfehlungen. Thematisch daneben liegen die Seite zu ähnlichen Büchern wie „Der Schwarm“, die Liste Science-Fiction in und aus Deutschland und die Übersicht Autorinnen und Autoren.
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Diese Seite verantwortet Jakob Sommer. Welche Bücher ich selbst gelesen habe und wo eine Einschätzung auf Rezensionen und Verlagsangaben beruht, steht unter Die Methode.
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