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Das Wichtigste in Kürze
- Simon Beckett schreibt forensische Thriller um den forensischen Anthropologen David Hunter. Die Reihe lebt von drei Dingen: der Wissenschaft am Leichnam, einem abgeschiedenen Schauplatz und einem Ermittler, der selbst beschädigt ist.
- Wer die forensische Genauigkeit sucht, liest „Tote lügen nicht“ von Kathy Reichs oder „Postmortem“ von Patricia Cornwell.
- Wer das Ermittlerduo mit ungewöhnlicher Arbeitsteilung sucht, liest „Der Knochenjäger“ von Jeffery Deaver.
- Wer den düsteren britischen Ton sucht, liest „Der Vogelmann“ von Mo Hayder oder „Das Lied der Sirenen“ von Val McDermid.
- Wer eine lange Reihe mit festem Personal sucht, liest „Erbarmen“ von Jussi Adler-Olsen.
Was die David-Hunter-Reihe zusammenhält
Simon Beckett arbeitete als Journalist, bevor er 2006 mit „Die Chemie des Todes“ seinen ersten David-Hunter-Roman veröffentlichte. Hunter ist forensischer Anthropologe, bestimmt also aus Knochen und Verwesungsgrad, wer ein Toter war und wie lange er tot ist. Er hat Frau und Tochter bei einem Unfall verloren und arbeitet zu Beginn der Reihe als Landarzt in Norfolk, weil er mit Leichen nichts mehr zu tun haben will.
Wer nach etwas Ähnlichem sucht, meint eines von drei Dingen.
Die Forensik. Beckett hat für die Recherche die Body Farm der University of Tennessee besucht, eine Freilandanlage, auf der die Verwesung menschlicher Körper untersucht wird. Diese Genauigkeit ist der Kern der Bücher, und wer sie mochte, will kein Actionbuch.
Der Schauplatz. Ein abgelegenes Dorf, eine schottische Insel, ein leerstehendes Krankenhaus. Beckett sperrt seine Figuren regelmäßig ein, meistens mit Hilfe des Wetters.
Der Ermittler. Hunter ist kein Polizist und hat keine Waffe. Er kommt als Fachmann dazu, wird misstrauisch beäugt und gerät in Gefahr, weil er zu genau hinsieht.
Sechs Bücher, sortiert nach dem, was du suchst
1. „Tote lügen nicht“ von Kathy Reichs
Temperance Brennan ist forensische Anthropologin in Montreal und stellt bei mehreren zerstückelten Leichen Übereinstimmungen fest, die auf einen Serientäter hindeuten. Die Polizei hält das für eine Überinterpretation, bis eine Kollegin verschwindet.
Warum ähnlich: Dasselbe Fach, dieselbe Arbeitsweise. Reichs ist selbst forensische Anthropologin und beschreibt Knochenbefunde mit derselben Genauigkeit wie Beckett. Auch bei ihr steht eine Fachkraft von außen gegen eine Polizei, die schneller fertig sein möchte.
Was anders ist: Reichs erzählt aus weiblicher Perspektive und in Nordamerika. Der Ton ist trockener und stellenweise humorvoll, wo Beckett durchgehend düster bleibt. Die Reihe umfasst über zwanzig Bände und wurde als Serie „Bones“ frei adaptiert.
Für wen: Für Leser, die den fachlichen Kern suchen und eine lange Reihe wollen. Der erste Band von 1997 und der beste Einstieg.
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2. „Postmortem“ von Patricia Cornwell
In Richmond, Virginia, werden innerhalb weniger Wochen vier Frauen in ihren Wohnungen ermordet. Die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta führt die Obduktionen durch und stellt fest, dass jemand die Daten in ihrem Institut manipuliert.
Warum ähnlich: Der Roman, der die Gattung begründet hat. Cornwell hat 1990 als Erste die Gerichtsmedizin ins Zentrum eines Kriminalromans gestellt, und alles, was Beckett tut, steht auf diesem Fundament. Auch hier wird der Befund am Körper zur Ermittlung, und auch hier ist die Hauptfigur keine Polizistin.
Was anders ist: Cornwell schreibt aus der Gerichtsmedizin und nicht aus der Anthropologie, arbeitet also mit frischen Leichen statt mit Skeletten. Der Roman ist über dreißig Jahre alt, was man an der Technik merkt, und die Reihe hat inzwischen über zwanzig Bände von schwankender Qualität.
Für wen: Für Leser, die den Ursprung des Genres kennenlernen wollen. Die ersten sechs Bände gelten als die stärksten.
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3. „Der Knochenjäger“ von Jeffery Deaver
Lincoln Rhyme war der beste Kriminalist von New York und ist seit einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Er plant sein eigenes Lebensende, als ein Entführer beginnt, Opfer mit Hinweisen auf das alte New York zu hinterlassen. Rhyme braucht Augen und Hände am Tatort und findet sie in der Streifenpolizistin Amelia Sachs.
Warum ähnlich: Dieselbe Faszination für den Befund. Rhyme löst Fälle aus Staubkörnern, Faserspuren und Bodenproben, und wie bei Beckett entsteht die Spannung aus der Auswertung statt aus der Verfolgung. Beide Autoren erklären ihre Verfahren, ohne den Leser zu langweilen.
Was anders ist: Deaver arbeitet mit Wendungen, die den Leser bewusst in die Irre führen, oft mehrere pro Buch. Beckett ist geradliniger. Und Rhyme ermittelt aus einem Zimmer in Manhattan, was den abgeschiedenen Schauplatz ersetzt.
Für wen: Für Leser, die die Spurenauswertung mochten und ein hohes Tempo mögen. Über fünfzehn Bände mit demselben Ermittlerduo.
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4. „Der Vogelmann“ von Mo Hayder
In einer Baugrube in Greenwich werden fünf Frauenleichen gefunden, jeder wurde nach dem Tod ein lebender Vogel in den Brustkorb genäht. Detective Jack Caffery übernimmt den Fall und schleppt dabei die ungeklärte Sache mit seinem verschwundenen Bruder mit sich herum.
Warum ähnlich: Derselbe britische Ton und derselbe beschädigte Ermittler. Hayder recherchiert ihre Tatortarbeit so genau wie Beckett und beschreibt die Befunde ohne Beschönigung. Auch bei ihr ist der Ermittler privat nicht in Ordnung, und auch bei ihr wird das über die Reihe hinweg weitererzählt.
Was anders ist: Hayder geht in der Darstellung von Gewalt deutlich weiter. Mehrere Szenen sind schwer erträglich, und das ist beabsichtigt. Wer bei Beckett die Sachlichkeit gemocht hat, findet hier eine Härte, die darüber hinausgeht.
Für wen: Für Leser mit starken Nerven, die den düsteren britischen Kriminalroman suchen. Der erste von sieben Caffery-Romanen.
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5. „Das Lied der Sirenen“ von Val McDermid
In Bradfield werden vier Männer gefoltert und getötet aufgefunden. Der klinische Psychologe Tony Hill soll ein Täterprofil erstellen und arbeitet dafür mit der Kriminalbeamtin Carol Jordan zusammen. Der Täter beginnt, mit ihm zu kommunizieren.
Warum ähnlich: Dieselbe Konstellation aus Fachmann und Polizei. Tony Hill wird wie David Hunter als Fachmann hinzugezogen, und wie Hunter arbeitet er mit einer Methode, der die Kollegen misstrauen. McDermid schreibt zudem in derselben nüchternen britischen Tradition.
Was anders ist: Der Zugang ist psychologisch statt naturwissenschaftlich. Es geht um das Denken des Täters und nicht um den Zustand der Leiche. Die Reihe entwickelt über mehrere Bände eine Beziehungsgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren.
Für wen: Für Leser, die den Fachmann von außen mögen und sich für Täterprofile interessieren. Der Auftakt zur Reihe, die als „Hautnah“ verfilmt wurde.
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6. „Erbarmen“ von Jussi Adler-Olsen
Carl Mørck kehrt nach einem Einsatz, bei dem ein Kollege starb und ein zweiter gelähmt zurückblieb, in den Dienst zurück und wird in den Keller abgeschoben. Dort soll er als Sonderdezernat Q alte Fälle sichten. Der erste ist das Verschwinden einer Politikerin vor fünf Jahren.
Warum ähnlich: Ein Ermittler, der mit sich selbst nicht fertig ist, und ein Fall, der über die reine Aufklärung hinausgeht. Wie bei Beckett entsteht die Spannung daraus, dass jemand am Rand des Apparats arbeitet und deshalb Fragen stellt, die sonst niemand stellt.
Was anders ist: Adler-Olsen schreibt breiter und mit mehr Humor, vor allem durch die Nebenfigur Assad. Forensik spielt kaum eine Rolle, und die Bücher sind mit rund fünfhundert Seiten länger.
Für wen: Für Leser, die eine lange Reihe mit festem Personal suchen. Zehn Bände, abgeschlossen. Die Reihenfolge und der beste Einstieg stehen auf der Seite zum Sonderdezernat Q.
Wenn du bei Simon Beckett bleiben willst
Die David-Hunter-Reihe umfasst sieben Bände: „Die Chemie des Todes“ (2006), „Kalte Asche“, „Leichenblässe“, „Verwesung“, „Totenfang“, „Die ewigen Toten“ und „Die Verlorenen“. Sie sollten der Reihe nach gelesen werden, weil Hunters Privatleben durchgehend erzählt wird und Band 4 unmittelbar an Band 3 anschließt.
Außerhalb der Reihe stehen „Der Hof“ und „Versteckt“, beide Einzelromane ohne Forensik. Wer die Reihe durchhat, findet dort einen ähnlichen Ton, aber ein anderes Verfahren.
Die ARD hat 2020 und 2021 zwei Bände mit Ulrich Noethen verfilmt und die Handlung dafür nach Deutschland verlegt.
Was ich von Simon Beckett halte
Beckett gehört zu den wenigen Thrillerautoren, bei denen das Fachliche die Spannung erzeugt statt sie zu unterbrechen. Wenn Hunter an einem Skelett erklärt, warum die Ansatzstelle einer Sehne über das Alter des Toten Auskunft gibt, will man weiterlesen und nicht überblättern. Das ist selten und das eigentliche Kapital der Reihe.
Was schwächer wird, ist die Wiederholung. Ab Band drei kennt man das Muster: abgelegener Ort, misstrauische Ortspolizei, schlechtes Wetter, Hunter gerät persönlich in Gefahr. Die späteren Bände sind handwerklich sauber und überraschen nicht mehr.
Meine Empfehlung: Lies die ersten drei Bände am Stück und mach danach eine Pause mit Deaver oder Reichs. Die Reihe hält besser durch, wenn man sie streckt.
Drei Titel, die überall empfohlen werden und hier fehlen
Sebastian Fitzek. Steht in vielen Listen, weil beide Autoren im deutschen Buchhandel dasselbe Regal belegen. Fitzek schreibt Psychothriller mit hohem Tempo und ohne forensischen Kern. Wer diese Richtung sucht, findet sie auf der Seite zu Sebastian Fitzek und der Reihenfolge seiner Bücher.
„Das Schweigen der Lämmer“ von Thomas Harris. Wird genannt, weil es der bekannteste Serientäterroman ist. Der Reiz liegt dort in der Beziehung zwischen Ermittlerin und Täter, und die Forensik ist Beiwerk. Als Anschluss trotzdem brauchbar, wenn es um Spannung geht.
Nordische Krimireihen. Sie tauchen auf, weil sie ebenfalls mit abgeschiedenen Schauplätzen arbeiten. Der Zugang ist meistens gesellschaftskritisch statt naturwissenschaftlich. Eine sortierte Übersicht steht im Beitrag Skandinavische Krimireihen.
Häufige Fragen
In welcher Reihenfolge liest man die David-Hunter-Reihe?
Streng nach Erscheinen. Hunters persönliche Geschichte läuft durch alle Bände, und „Verwesung“ setzt „Leichenblässe“ unmittelbar fort.
Sind die Bücher sehr brutal?
Sie sind explizit in der Beschreibung von Leichen und Verwesung, halten sich bei Gewaltszenen aber zurück. Wer Probleme mit Details zur Zersetzung hat, sollte die Finger davon lassen; wer Folterszenen fürchtet, kann bedenkenlos lesen.
Welcher Autor kommt Simon Beckett am nächsten?
Kathy Reichs im Fach, Mo Hayder im Ton. Beide zusammen decken ab, was die Reihe ausmacht.
Muss man sich für Medizin interessieren?
Nein. Beckett erklärt jeden Fachbegriff, wenn er gebraucht wird. Ein gewisses Interesse an der Sache hilft trotzdem, weil die Erklärungen einen erheblichen Teil des Textes ausmachen.
Gibt es die Reihe als Hörbuch?
Ja, die Hörbuchfassungen sind vollständig erhältlich. Die Verfilmungen der ARD weichen von den Vorlagen ab und verlegen die Handlung nach Deutschland.
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Weitere Ausgangstitel mit Anschlussempfehlungen stehen in der Übersicht Alle Bücher mit Empfehlungen. Thematisch daneben liegen die Seiten zum Sonderdezernat Q und zu Charlotte Link sowie der Beitrag Psychothriller mit unzuverlässigen Erzählern.
Dein Ausgangstitel steht hier nicht? Der Buchfinder für ähnliche Bücher nimmt jeden Titel entgegen und schlägt dir bis zu drei Anschlussbücher mit Begründung vor.
Diese Seite verantwortet Jakob Sommer. Welche Bücher ich selbst gelesen habe und wo eine Einschätzung auf Rezensionen und Verlagsangaben beruht, steht unter Die Methode.
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