Ähnliche Bücher wie „Der große Gatsby“ – 6 Empfehlungen

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Das Wichtigste in Kürze

  • „Der große Gatsby“ verbindet vier Dinge: eine Gesellschaft im Rausch, eine Liebe, die einer Erinnerung gilt, einen Erzähler am Rand des Geschehens und eine Sprache, die in fast jedem Satz mehr sagt, als dasteht.
  • Wer die glänzende Oberfläche mit dem Riss darunter sucht, liest „Frühstück bei Tiffany“ von Truman Capote.
  • Wer das Scheitern des amerikanischen Versprechens sucht, liest „Zeiten des Aufruhrs“ von Richard Yates.
  • Wer die Figur sucht, die sich selbst erfindet, liest „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith.
  • Wer den Erzähler am Rand sucht, liest „Wiedersehen mit Brideshead“ von Evelyn Waugh.
  • Der Roman ist seit 2021 gemeinfrei, weshalb es zahlreiche Neuübersetzungen gibt. Die Ausgabe entscheidet über das Leseerlebnis.

Was „Der große Gatsby“ zusammenhält

„Der große Gatsby“ erschien 1925 und verkaufte sich zu Lebzeiten des Autors schlecht. Erst als das Buch im Zweiten Weltkrieg in großer Auflage an amerikanische Soldaten verteilt wurde, begann sein Aufstieg zum Schulklassiker.

Nick Carraway zieht nach Long Island und wohnt neben einem Anwesen, in dem jeden Samstag Feste gefeiert werden, zu denen niemand eingeladen ist. Der Gastgeber heißt Jay Gatsby, hat sein Vermögen auf ungeklärte Weise erworben und gibt die Feste aus einem einzigen Grund: Auf der anderen Seite der Bucht wohnt Daisy Buchanan, die er vor fünf Jahren geliebt hat und die inzwischen verheiratet ist.

Wer nach etwas Ähnlichem sucht, meint eines von vier Dingen.

Die Epoche. Prohibition, Jazz, Geld ohne Herkunft, Feste ohne Anlass. Die zwanziger Jahre erklären hier, wie Gatsby überhaupt möglich ist, und bleiben deshalb mehr als Kulisse.

Die Selbsterfindung. James Gatz aus North Dakota macht sich zu Jay Gatsby und glaubt am Ende selbst daran. Diese Figur gibt es in der Literatur mehrfach, und sie endet fast nie gut.

Der Erzähler. Nick erzählt eine Geschichte, in der er kaum vorkommt, und wird dabei unzuverlässiger, je näher er Gatsby kommt. Wer das mochte, sucht keine Ich-Erzählung mit Held.

Die Sprache. Der Roman ist kurz, und fast jeder Absatz enthält ein Bild, das über die Szene hinausweist. Der letzte Satz gehört zu den meistzitierten der amerikanischen Literatur.

Sechs Bücher, sortiert nach dem, was du suchst

1. „Frühstück bei Tiffany“ von Truman Capote

Holly Golightly wohnt in einem New Yorker Mietshaus, hat keinen erkennbaren Beruf und lebt von der Gesellschaft reicher Männer. Der namenlose Erzähler wohnt eine Etage über ihr, beobachtet sie und erfährt nach und nach, dass sie sich ihre Herkunft neu erfunden hat.

Warum ähnlich: Dieselbe Konstruktion in kleinerem Maßstab. Ein zurückhaltender Erzähler beobachtet eine Person, die sich selbst erschaffen hat und deren Glanz eine Herkunft verdeckt. Auch hier bleibt am Ende offen, ob die beobachtete Figur je erreichbar war.

Was anders ist: Capote schreibt zwanzig Jahre später und in einem leichteren Ton. Die Erzählung ist mit rund hundertzwanzig Seiten deutlich kürzer, und der gesellschaftliche Befund tritt hinter das Porträt zurück.

Für wen: Für Leser, die den Ton und die Figur suchen und ein kurzes Buch wollen. Der Film mit Audrey Hepburn hat mit dem Text weniger zu tun, als viele annehmen.

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2. „Zeiten des Aufruhrs“ von Richard Yates

Frank und April Wheeler halten sich für etwas Besseres als ihre Nachbarn in der Vorstadt von Connecticut. Sie planen, nach Paris zu ziehen, damit Frank endlich herausfindet, wozu er bestimmt ist. Der Roman von 1961 verfolgt, was aus dem Plan wird.

Warum ähnlich: Die Fortsetzung des Gatsby-Themas dreißig Jahre später: Das amerikanische Versprechen, dass jeder werden kann, was er will, wird hier auf eine Ehe angewendet und zerbricht daran. Auch Yates schreibt kühl und lässt seine Figuren sich selbst entlarven.

Was anders ist: Yates verzichtet auf jeden Glanz. An die Stelle von Festen, Villa und bewundernswerter Figur tritt ein Reihenhausvorort. Der Roman ist erheblich schmerzhafter zu lesen.

Für wen: Für erwachsene Leser, die den gesellschaftlichen Befund ohne Romantik wollen. Rund vierhundert Seiten und einer der bittersten amerikanischen Romane des zwanzigsten Jahrhunderts.

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3. „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith

Tom Ripley wird von einem reichen Reeder nach Italien geschickt, um dessen Sohn Dickie zur Rückkehr nach Amerika zu bewegen. Stattdessen verliebt sich Ripley in Dickies Leben, in seine Kleidung, seine Sprache, seine Sorglosigkeit. Und dann findet er einen Weg, es zu bekommen.

Warum ähnlich: Dieselbe Figur, konsequenter durchgeführt. Ripley erfindet sich neu, um dazuzugehören, und wie bei Gatsby hängt die neue Person an einem Geld, das nicht von ihm stammt. Highsmith zeigt dabei, was Fitzgerald andeutet: dass diese Selbsterschaffung eine kriminelle Energie voraussetzt.

Was anders ist: Bei Highsmith gibt es keinen Erzähler am Rand. Der Leser sitzt im Kopf des Täters und beginnt, ihm die Daumen zu drücken. Und Ripley kommt davon, was den Roman moralisch unbequemer macht als „Der große Gatsby“.

Für wen: Für Leser, die die Figur interessiert und die Spannung nicht scheuen. Der erste von fünf Ripley-Romanen und mehrfach verfilmt.

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4. „Wiedersehen mit Brideshead“ von Evelyn Waugh

Charles Ryder lernt in Oxford den Adligen Sebastian Flyte kennen und über ihn dessen Familie und deren Landsitz Brideshead. Zwanzig Jahre später kehrt er als Offizier dorthin zurück und erzählt, was aus allen geworden ist.

Warum ähnlich: Dieselbe Erzählanlage: Ein Außenstehender wird in eine Welt hineingezogen, die ihm nicht gehört, bewundert sie und erzählt sie später aus der Distanz. Wie bei Fitzgerald bleibt unklar, ob der Erzähler die Menschen oder die Welt geliebt hat, in der sie sich bewegten.

Was anders ist: Waugh schreibt englisch, katholisch und über einen weit längeren Zeitraum. Der Roman ist mit rund vierhundert Seiten ausführlicher, und die religiöse Ebene nimmt in der zweiten Hälfte viel Raum ein.

Für wen: Für Leser, die den Erzähler am Rand und die verlorene Welt suchen. Die Serienfassung von 1981 gilt als eine der besten Literaturverfilmungen überhaupt.

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5. „Die sieben Männer der Evelyn Hugo“ von Taylor Jenkins Reid

Eine alternde Hollywood-Ikone lässt eine unbekannte Journalistin kommen, um ihr Leben aufschreiben zu lassen: sieben Ehen, ein Aufstieg aus armen Verhältnissen und ein Geheimnis, das sie fünfzig Jahre lang gehütet hat.

Warum ähnlich: Der Stoff in heutiger Fassung. Auch hier hat sich eine Figur aus dem Nichts erschaffen, auch hier wird die Geschichte von jemandem erzählt, der dazugehören will, und auch hier steht am Ende die Frage, was der Aufstieg gekostet hat.

Was anders ist: Reid schreibt zugänglicher und emotionaler. Der Roman erklärt seine Figuren, wo Fitzgerald sie zeigt, und er endet mit einer Auflösung statt mit einem Bild. Die Zeitebene ist die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Für wen: Für Leser, die den Stoff mögen und eine heutige Erzählweise bevorzugen. Der leichteste Einstieg dieser Liste und für Jugendliche ab etwa sechzehn geeignet.

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6. „Der Fänger im Roggen“ von J. D. Salinger

Holden Caulfield ist sechzehn, gerade von der vierten Schule geflogen und treibt sich drei Tage lang durch New York, weil er sich nicht nach Hause traut. Er redet ununterbrochen über alles, nur über das eine nicht, was ihn beschäftigt.

Warum ähnlich: Dieselbe amerikanische Frage aus der Gegenrichtung. Wo Gatsby glaubt, dass man sich neu erfinden kann, hält Holden jede Form von Selbstdarstellung für Verlogenheit. Beide Romane sind Schulklassiker und arbeiten mit einem Erzähler, dem man nicht ganz glauben soll.

Was anders ist: Salinger schreibt in Jugendsprache und aus der Ich-Perspektive eines Sechzehnjährigen. Die Gesellschaftsschilderung fehlt, und der zeitliche Rahmen umfasst drei Tage statt eines Sommers.

Für wen: Für jüngere Leser ab etwa fünfzehn und als Vergleichstext im Unterricht. Achte auf die Übersetzung von Eike Schönfeld aus dem Jahr 2003, die deutlich frischer klingt als die ältere.

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Wenn du bei F. Scott Fitzgerald bleiben willst

„Zärtlich ist die Nacht“ von 1934 ist sein letzter vollendeter Roman und handelt von einem Psychiater an der französischen Riviera, dessen Ehe mit einer Patientin ihn aufzehrt. Das Buch ist autobiografisch grundiert und literarisch das ehrgeizigere Werk, wenngleich es weniger geschlossen wirkt als „Der große Gatsby“.

„Diesseits vom Paradies“ von 1920 war sein Debüt und der Roman, der ihn berühmt machte. Wer wissen will, wie die Generation aussah, über die Fitzgerald schrieb, findet sie dort ungefiltert. Seine Erzählungen, unter anderem „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, sind in mehreren Sammlungen erhältlich.

Was ich von „Der große Gatsby“ halte

Ich habe den Roman zuerst auf Englisch in der Schule gelesen und ihn für überschätzt gehalten, weil ich die Handlung dünn fand. Sie ist auch dünn. Beim zweiten Lesen habe ich verstanden, dass die Handlung nicht der Punkt ist: Das Buch besteht aus etwa zwanzig Bildern, und jedes einzelne davon enthält den ganzen Roman im Kleinen. Das grüne Licht auf der anderen Seite der Bucht, die Augen auf der Reklametafel, die Hemden, die Gatsby aus dem Schrank wirft.

Was mir bis heute nicht gefällt, ist Daisy. Sie bleibt über den ganzen Roman hinweg eine Projektionsfläche, und Fitzgerald gibt ihr keine Gelegenheit, mehr zu sein. Das ist erzähltechnisch begründbar, weil Nick sie nur durch Gatsbys Augen sieht, und es macht die Lektüre trotzdem einseitig.

Meine Empfehlung: Lies das Buch in einer neueren Übersetzung. Seit der Gemeinfreiheit 2021 sind mehrere erschienen, und die Unterschiede sind erheblich. Wer die Sprache mag, sollte anschließend das Original versuchen; es ist mit rund hundertachtzig Seiten machbar.

Drei Titel, die überall empfohlen werden und hier fehlen

„Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ von Peter Høeg. Stand lange in unserer eigenen Vergleichstabelle und ist inzwischen ersetzt. Der Roman ist ein Kriminalfall in Grönland und hat mit Gatsby weder Epoche noch Thema gemein.

„Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Wird genannt, weil beide Romane von Standesunterschieden handeln. Austen schreibt hundert Jahre früher, in England und mit einem Schluss, der alles gutmacht. Die Verbindung ist an der Oberfläche.

„Der Fänger im Roggen“ als Erstes. Er steht oben in der Liste, und zwar als Vergleichstext. Wer den Gesellschaftsroman sucht, sollte trotzdem mit Yates oder Waugh anfangen.

Für die Schule

„Der große Gatsby“ ist Standardlektüre im Englischunterricht der Oberstufe, meistens im Original. Die üblichen Aufgabenstellungen betreffen die Symbolik des grünen Lichts, die Zuverlässigkeit des Erzählers und den amerikanischen Traum als Motiv. Wer eine deutsche Ganzschrift danebenstellen soll, ist mit „Tschick“ für die Erzählstimme und mit „Der Vorleser“ für den unzuverlässigen Erzähler gut bedient.

Eine Einordnung in die Literaturgeschichte gibt die Übersicht der Literaturepochen; die passende Epoche ist die Moderne.

Häufige Fragen

Welche Übersetzung soll ich lesen?

Der Roman ist seit 2021 gemeinfrei, und es gibt inzwischen ein Dutzend deutsche Fassungen. Bekannt sind die Übersetzungen von Bettina Abarbanell und von Lutz-W. Wolff. Ältere Ausgaben tragen häufig den Titel „Der große Gatsby“, vereinzelt auch „Der große Gatsby“ in abweichender Schreibung. Im Zweifel eine Ausgabe nach 2010 wählen.

Wie lang ist das Buch?

Je nach Ausgabe zwischen hundertsechzig und zweihundert Seiten. Es ist eines der kürzesten Bücher, die als großer amerikanischer Roman gelten.

Lohnt sich der Film von 2013?

Baz Luhrmanns Verfilmung mit Leonardo DiCaprio ist opulent und im Ton weit von der Vorlage entfernt. Sie zeigt die Feste, die der Roman beschreibt, und verfehlt die Distanz, aus der er sie beschreibt. Als Ergänzung brauchbar, als Ersatz nicht.

Welches Buch ist „Der große Gatsby“ am ähnlichsten?

In der Erzählanlage „Wiedersehen mit Brideshead“, im gesellschaftlichen Befund „Zeiten des Aufruhrs“, in der Figur „Der talentierte Mr. Ripley“.

Muss man die zwanziger Jahre kennen, um den Roman zu verstehen?

Nein. Hilfreich ist nur das Wissen, dass Alkohol in den USA von 1920 bis 1933 verboten war. Damit erklärt sich, woher Gatsbys Geld stammt, ohne dass es der Roman ausspricht.

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Diese Seite verantwortet Jakob Sommer. Welche Bücher ich selbst gelesen habe und wo eine Einschätzung auf Rezensionen und Verlagsangaben beruht, steht unter Die Methode.

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