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Das Wichtigste in Kürze
- „Gregs Tagebuch“ funktioniert über vier Dinge: die Tagebuchform mit Zeichnungen, kurze abgeschlossene Episoden, Schulalltag als Stoff und einen Erzähler, der sich selbst für den Helden hält.
- Wer direkt dasselbe noch einmal will, liest „Tom Gates“ von Liz Pichon.
- Wer den Schulalltag mit mehr Handlung sucht, liest „Die schlimmsten Jahre meines Lebens“ von James Patterson.
- Wer ein Mädchen als Erzählerin sucht, liest „DORK Diaries“ von Rachel Renée Russell oder „Mein Lotta-Leben“ von Alice Pantermüller.
- Wer den nächsten Schritt zu einem richtigen Roman sucht, liest „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel.
- Geht es weniger um dieses eine Buch als um ein Kind, das ungern liest, ist der Beitrag Comic-Romane für Wenigleser die passendere Seite.
Warum „Gregs Tagebuch“ funktioniert
„Gregs Tagebuch“ erschien 2007 im Original und 2008 auf Deutsch. Jeff Kinney hatte die Geschichte vorher jahrelang kostenlos ins Netz gestellt. Inzwischen umfasst die Reihe über zwanzig Bände und hat sich weltweit über zweihundertfünfzig Millionen Mal verkauft.
Greg Heffley ist in der Mittelstufe, hält sich für unterschätzt und schreibt ein Tagebuch, das er ausdrücklich kein Tagebuch nennt. Er behandelt seinen besten Freund Rupert schlecht, schiebt Schuld weiter und lernt am Ende jedes Bandes nichts dazu. Genau das ist der Trick: Kinder merken, dass der Erzähler unzuverlässig ist, und finden das komisch.
Wer nach etwas Ähnlichem sucht, meint eines von vier Dingen.
Die Form. Handgeschriebene Schrift, Strichzeichnungen auf jeder Seite, viel Weißraum. Ein Kind, das dreihundert Seiten Fließtext nicht anfasst, schafft hier zweihundert an einem Nachmittag.
Die Episoden. Jedes Kapitel steht für sich, und man kann jederzeit aufhören. Für Leser, die sich schwer konzentrieren, ist das der eigentliche Grund, warum es klappt.
Der Schulalltag. Sportunterricht, Klassenfahrt, Halloween, Geschwisterstreit. Nichts Übernatürliches, nichts Weltrettendes.
Der Erzähler. Greg ist kein Vorbild, und das Buch tut auch nicht so. Wer eine Reihe mit einem netten Helden empfiehlt, trifft daneben.
Sechs Bücher, sortiert nach dem, was du suchst
1. „Tom Gates“ von Liz Pichon
Tom ist zehn, zeichnet ununterbrochen in seine Hefte, hat eine ältere Schwester, die ihn verachtet, und eine Band namens Dogzombies, die noch nie geprobt hat. Erzählt wird in Tagebuchform mit Kritzeleien, wechselnden Schriftgrößen und Randnotizen.
Warum ähnlich: Von allen sechs Titeln der direkteste Ersatz. Dieselbe Altersgruppe, dieselbe Form, dieselbe Länge und derselbe Erzähltyp: ein Junge, der sich durchmogelt und dabei erstaunlich zufrieden mit sich ist. Wer die Bände von Greg durchhat, merkt beim Wechsel kaum einen Bruch.
Was anders ist: Pichon gestaltet aufwendiger. Bei ihr wechseln Schriftarten und Layout auf fast jeder Seite, was manche Kinder begeistert und andere überfordert. Tom ist außerdem gutmütiger als Greg, und die Bosheit fehlt, die bei Kinney für den Witz sorgt.
Für wen: Für Leser zwischen acht und zwölf, die nahtlos weiterlesen wollen. Über zwanzig Bände auf Deutsch, sodass der Nachschub gesichert ist.
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2. „Die schlimmsten Jahre meines Lebens“ von James Patterson
Rafe Khatchadorian kommt neu auf die Hills Village Middle School und beschließt, im Lauf des Schuljahres jede einzelne Regel der Schulordnung zu brechen. Für jeden Verstoß gibt es Punkte. Sein unsichtbarer Freund Leo zeichnet mit, und hinter der Sammelaktion steckt mehr, als Rafe zugibt.
Warum ähnlich: Dieselbe Machart mit Illustrationen und kurzen Kapiteln, dazu ein Ich-Erzähler in der Mittelstufe, der ständig Ärger bekommt. Patterson arbeitet härter mit Cliffhangern, weil er aus dem Thrillergeschäft kommt, und Kinder lesen die Bände deshalb oft schneller durch als die von Kinney.
Was anders ist: Der Roman hat eine durchgehende Handlung und einen ernsten Kern, der sich erst spät zeigt. Es geht um einen Verlust in der Familie, und das Buch endet mit einer Wendung, die Greg nie hätte. Wer nur den Klamauk sucht, bekommt hier mehr, als er wollte.
Für wen: Für Leser ab etwa neun, die eine Geschichte mit Ziel mögen. Die Reihe umfasst mehrere Bände und ist mit Rafes Schwester Georgia fortgesetzt worden.
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3. „DORK Diaries“ von Rachel Renée Russell
Nikki Maxwell wechselt auf eine Privatschule, an der ihr Vater als Kammerjäger arbeitet, was sie um jeden Preis geheim halten will. Sie führt Tagebuch über Schulball, beste Freundinnen und die Auseinandersetzung mit MacKenzie, die alles hat, was Nikki fehlt.
Warum ähnlich: Die Antwort auf dieselbe Frage aus weiblicher Perspektive. Tagebuchform, Zeichnungen, Schulalltag und eine Erzählerin, die sich für durchschnittlich hält und darüber ununterbrochen redet. Die Reihe wurde nach dem Erfolg von Kinney bewusst als Gegenstück angelegt.
Was anders ist: Der Stoff dreht sich stärker um Freundschaft, Rivalität und Verliebtsein. Nikki ist zudem deutlich sympathischer als Greg, und die Bände nehmen ihre Konflikte ernster.
Für wen: Für Leserinnen zwischen neun und dreizehn. Über fünfzehn Bände auf Deutsch. Als Empfehlung an Jungen funktioniert die Reihe erfahrungsgemäß selten.
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4. „Das 13-stöckige Baumhaus“ von Andy Griffiths und Terry Denton
Andy und Terry wohnen in einem Baumhaus mit Bowlingbahn, Haischwimmbecken und einer Maschine, die Marshmallows direkt in den Mund schießt. Sie sollen ein Buch abliefern und haben nichts geschrieben. Was stattdessen passiert, füllt den Band.
Warum ähnlich: Dieselbe Rechnung aus Text und Bild, nur noch weiter in Richtung Bild verschoben. Auf vielen Seiten steht nur ein Satz, und der Rest ist Zeichnung. Für Kinder, die bei Greg wegen der Bilder geblieben sind, ist das die logische Nachbarschaft.
Was anders ist: Es gibt keinen Schulalltag und keine erkennbare Wirklichkeit. Der Humor ist absurd statt beobachtend, und einen unzuverlässigen Erzähler gibt es nicht. Das Buch will nichts weiter, als komisch zu sein.
Für wen: Für Leser zwischen sieben und zehn und besonders für Kinder, die noch nicht flüssig lesen. Die Reihe wächst mit jedem Band um dreizehn Stockwerke.
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5. „Mein Lotta-Leben“ von Alice Pantermüller
Lotta bekommt zur Einschulung in die fünfte Klasse eine Blockflöte, die sie nicht wollte, und ein Tagebuch, das sie behält. Zusammen mit ihrer Freundin Cheyenne zieht sie durch eine Schule voller Kaninchen, Streiche und Erwachsener, die nichts mitbekommen.
Warum ähnlich: Die deutsche Antwort auf Kinney, und die erfolgreichste. Tagebuchform, Zeichnungen von Daniela Kohl auf jeder Seite, kurze Episoden und eine Erzählerin, die kommentiert, was ihr widerfährt. Die Bücher sind für dieselbe Lesestufe gemacht.
Was anders ist: Lotta ist jünger als Greg und freundlicher. Der Humor kommt aus Missgeschicken statt aus Bosheit, und die Erwachsenen bleiben liebevoll gezeichnet. Wer bei Greg gerade das Fiese gut fand, wird das vermissen.
Für wen: Für Leserinnen zwischen acht und elf. Über zwanzig Bände, dazu Hörbücher und ein Kinofilm. Für viele Kinder in Deutschland der erste Buchstapel, den sie freiwillig aufbauen.
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6. „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel
Rico wohnt in der Dieffe 93 in Berlin, ist nach eigener Auskunft tiefbegabt und verliert unterwegs regelmäßig den Faden. Oskar läuft mit einem blauen Sturzhelm herum und ist hochbegabt. Zusammen kommen sie einem Entführer auf die Spur, den die Zeitungen Aldi-Kidnapper nennen.
Warum ähnlich: Derselbe Ich-Erzähler, der die Welt falsch versteht und den Leser dadurch etwas sehen lässt. Steinhöfel schreibt in derselben Kindersprache, arbeitet mit kurzen Kapiteln und lässt seinen Erzähler ähnlich schonungslos über sich selbst reden wie Kinney.
Was anders ist: Es ist ein durchkomponierter Roman mit Kriminalfall, deutlich mehr Text und ohne Zeichnungen auf jeder Seite. Und er hat einen ernsten Boden: Ricos Mutter arbeitet nachts, das Geld ist knapp, und die Freundschaft der beiden ist die eigentliche Sache.
Für wen: Für Leser ab etwa zehn, die von der Comic-Stufe zum Roman wechseln sollen. Der beste nächste Schritt dieser Liste, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Vier Bände, abgeschlossen.
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Wenn du bei Jeff Kinney bleiben willst
Die Hauptreihe ist chronologisch und lässt sich trotzdem in beliebiger Reihenfolge lesen, weil Greg zwischen den Bänden nicht älter wird und nichts dazulernt. Wer geordnet vorgehen will, beginnt mit „Von Idioten umzingelt!“, dem ersten Band von 2008.
Daneben gibt es „Ruperts Tagebuch“, in dem Gregs Freund dieselben Ereignisse aus seiner Sicht erzählt. Für Kinder, die Greg zu gemein finden, ist das die freundlichere Fassung derselben Welt. Außerdem existieren mehrere „Mach’s doch selbst“-Bände zum Ausfüllen, die kein Lesestoff sind und häufig versehentlich verschenkt werden.
Verfilmt wurde die Reihe zweimal: als Realfilme ab 2010 und als Zeichentrickfilme ab 2021. Die Zeichentrickfassungen halten sich näher an Kinneys Strichzeichnungen.
Was ich von „Gregs Tagebuch“ halte
Die Reihe wird von Erwachsenen regelmäßig unterschätzt, und der häufigste Einwand geht am Punkt vorbei. Er lautet, Greg sei kein gutes Vorbild. Das stimmt, und es ist Absicht. Kinney baut einen Erzähler, dem die Leser nicht glauben sollen, und Kinder durchschauen ihn zuverlässiger als die meisten Erwachsenen vermuten. Wer je erlebt hat, wie ein Neunjähriger empört erklärt, dass Greg schon wieder gelogen hat, weiß, dass hier etwas gelernt wird.
Was ich einschränke: Die Bände nutzen sich ab. Ungefähr ab Band zehn wiederholen sich die Muster, und der Unterschied zwischen den Titeln wird klein. Für Kinder ist das kein Problem, für den Geldbeutel schon. Die Bibliothek ist hier die bessere Adresse als der Buchladen.
Meine Empfehlung an Eltern: Kaufen Sie Band 1 und beobachten Sie, was passiert. Wenn das Kind nach Band 4 noch dabei ist, ist der richtige Zeitpunkt für Steinhöfel gekommen.
Drei Titel, die überall empfohlen werden und hier fehlen
„Die Schule der magischen Tiere“ von Margit Auer. Steht in vielen Listen, weil die Altersgruppe stimmt. Es ist aber ein illustrierter Roman mit Fantasy-Element und ohne Tagebuchform. Als nächster Schritt sinnvoll, als direkte Entsprechung nicht. Mehr dazu im Beitrag Comic-Romane für Wenigleser.
„Das magische Baumhaus“ von Mary Pope Osborne. Wird häufig als Einstieg genannt und richtet sich an jüngere Leser ab etwa sieben. Wer von Greg dorthin wechselt, macht einen Schritt zurück.
„Harry Potter“. Kommt vor, weil es die bekannteste Kinderreihe ist. Der Umfang ist ein Vielfaches, es gibt kaum Bilder, und der erste Band verlangt Ausdauer. Als Ziel gut, als nächster Schritt nach Greg fast immer zu früh.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter ist „Gregs Tagebuch“ geeignet?
Der Verlag nennt zehn Jahre, in der Praxis lesen es viele Kinder ab acht. Es gibt nichts Beängstigendes, und der Wortschatz ist einfach. Vorlesen funktioniert schon ab sieben.
In welcher Reihenfolge liest man die Bände?
Am besten nach Erscheinen, nötig ist es nicht. Greg bleibt in jedem Band gleich alt, und die Handlungen sind in sich abgeschlossen. Einzelne Anspielungen auf frühere Bände versteht man auch ohne Vorkenntnis.
Welches Buch ist „Gregs Tagebuch“ am ähnlichsten?
„Tom Gates“. Form, Alter und Länge stimmen fast genau überein.
Mein Kind liest nur noch Comic-Romane. Soll ich eingreifen?
Nein, aber nachlegen. Der Übergang gelingt am besten mit einem Buch, das eine Stufe schwerer ist und dieselbe Erzählstimme hat, also etwa „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Der Beitrag Comic-Romane für Wenigleser behandelt das ausführlich.
Gibt es die Reihe als Hörbuch?
Ja, gelesen von Marco Eßer. Wegen der vielen Zeichnungen geht dabei allerdings ein Teil des Witzes verloren. Für diese Reihe ist das gedruckte Buch die bessere Wahl.
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Weitere Ausgangstitel mit Anschlussempfehlungen stehen in der Übersicht Alle Bücher mit Empfehlungen. Für Kinder, die ungern lesen, ist der Beitrag Comic-Romane für Wenigleser die passende Seite; nach Alter sortierte Vorschläge stehen unter Die besten Kinderbücher für jede Altersstufe.
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Diese Seite verantwortet Jakob Sommer. Welche Bücher ich selbst gelesen habe und wo eine Einschätzung auf Rezensionen und Verlagsangaben beruht, steht unter Die Methode.
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