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Das Wichtigste in Kürze
- Auf „Bücher wie Silber“ folgt meistens die nächste düstere Jugendfantasy. Das ist die Zutat, die Kerstin Gier gerade nicht liefert.
- Fünf Zutaten machen die Trilogie aus, und zwei davon werden fast nie mitempfohlen: der komische Ton und der Alltag, der nebenher weiterläuft.
- Wer die festen Regeln sucht, nach denen das Übernatürliche funktioniert, liest „Zeitenzauber“ von Eva Völler oder „Tintenherz“ von Cornelia Funke.
- Wer den Ton sucht — eine Erzählerin, die Witze über sich selbst macht —, liest „Percy Jackson“ von Rick Riordan.
- Wer die Schule und die Freundinnen sucht, die neben der Magie weiterlaufen, liest „Woodwalkers“ von Katja Brandis oder „Frostkuss“ von Jennifer Estep.
- Die Silber-Trilogie ist abgeschlossen. Wer von Gier mehr will, findet die genaueste Entsprechung ausgerechnet in einem Buch von ihr ohne jede Fantasy.
Warum „ähnliche Bücher wie Silber“ die falsche Frage ist
Kerstin Gier hatte schon eine Karriere als Autorin von Liebesromanen für Erwachsene hinter sich, als sie 2009 mit „Rubinrot“ anfing, Jugendbücher zu schreiben. Man merkt das an einer Sache, die ihre Bücher von fast allem im selben Regal unterscheidet: Sie sind komisch. Nicht mit eingestreuten Gags, sondern durchgehend, weil die Erzählerin sich selbst und ihre Lage nicht ernster nimmt, als nötig ist.
„Silber“ macht daneben etwas, das seltener ist, als man denkt: Es erklärt sein übernatürliches System und hält sich dann daran. Der Korridor mit den Türen, die Regeln, wer wessen Traum betreten kann, was passiert, wenn man erwischt wird — das steht früh fest und wird nicht gebrochen, wenn es der Handlung gerade passt. Wer einmal eine Reihe abgebrochen hat, weil am Ende plötzlich alles möglich war, weiß, wie viel das wert ist.
Empfehlungslisten sortieren trotzdem nach „Jugendfantasy mit Liebesgeschichte“, und heraus kommen Reihen, in denen alle drei Seiten jemand stirbt. Wir haben die Trilogie deshalb in fünf Eigenschaften zerlegt und die Empfehlungen an denselben Maßstab gehängt.

Der auffälligste Befund steht in der dritten Zeile. „Das Wolkenschloss“ ist von derselben Autorin und hat keine einzige übernatürliche Zutat — es füllt trotzdem genau die beiden Spalten, auf die es ankommt. Wer eine Empfehlung will, muss zuerst sagen, welche Zeile seiner am ähnlichsten sieht.
Fünf Bücher — und welche Zutat sie liefern
1. „Zeitenzauber – Die magische Gondel“ von Eva Völler
Anna macht Urlaub in Venedig, steigt in eine Gondel und landet im Jahr 1499. Sie kann nicht steuern, wann sie zurückkommt, und muss sich in einer Stadt zurechtfinden, deren Regeln sie nicht kennt. Drei Bände, auf Deutsch geschrieben, ab 2011.
Warum ähnlich: Von allen Empfehlungen ist das die, die dem Ausgangstitel strukturell am nächsten kommt: klare Regeln für das Übernatürliche, eine abgeschlossene Trilogie, eine Erzählerin mit Humor. Die Reihe wird regelmäßig neben „Rubinrot“ genannt und dabei fast immer als bloße Nachahmung abgetan — das wird ihr nicht gerecht, weil Völler die Zeitsprünge anders motiviert. Bei Amazon nachsehen.
2. „Woodwalkers“ von Katja Brandis
Carag kann zwischen Puma und Junge wechseln und kommt auf ein Internat, an dem alle Schüler dasselbe können. Die Reihe ist auf Deutsch geschrieben und für Leser ab etwa elf gedacht.
Warum ähnlich: Vier Zutaten, darunter die beiden, die den Alltag betreffen — Schule, Zimmergenossen, Streit in der Klasse laufen neben der Verwandlung weiter und werden nicht von ihr verdrängt. Genau das tut „Silber“ auch: Liv hat trotz allem Hausaufgaben und eine kleine Schwester. Was fehlt: der abgeschlossene Bogen, die Reihe läuft weiter. Mehr dazu auf unserer Seite zur Woodwalkers-Reihe. Bei Amazon nachsehen.
3. „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ von Rick Riordan
Ein Zwölfjähriger erfährt, dass sein Vater ein griechischer Gott ist, und landet in einem Ferienlager für Halbgötter. Erzählt wird das von ihm selbst, in einem Ton, der jede Kapitelüberschrift zu einem Witz macht.
Warum ähnlich: Das ist die Empfehlung für den Ton. Riordan macht mit der griechischen Mythologie, was Gier mit dem Traumkorridor macht: ein System, das erklärt wird und dann gilt, erzählt von jemandem, der es selbst albern findet. Was fehlt: Die Zielgruppe ist jünger, und eine Liebesgeschichte gibt es in Band 1 praktisch nicht. Unsere Einordnung steht auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie „Percy Jackson“. Bei Amazon nachsehen.
4. „Tintenherz“ von Cornelia Funke
Mo kann Figuren aus Büchern herauslesen — und tut das einmal so unglücklich, dass seine Frau dafür in die Geschichte hineingerät. Erschienen 2003, Auftakt einer Trilogie.
Warum ähnlich: Dieselbe Bauweise beim Übernatürlichen: eine einzige, klar umrissene Fähigkeit mit einem Preis, der von Anfang an feststeht. Und eine abgeschlossene Trilogie, was in diesem Regal selten ist. Was fehlt: der komische Ton. Funke erzählt warm, aber nicht witzig. Unsere Einordnung steht auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie „Tintenherz“. Bei Amazon nachsehen.
5. „Frostkuss“ von Jennifer Estep
Gwen Frost kann durch Berührung die Erinnerungen anderer Menschen lesen und geht auf eine Akademie, an der die Nachfahren antiker Krieger ausgebildet werden.
Warum ähnlich: Übernatürliches nach festen Regeln, Schule als Hauptschauplatz, Freundschaften, die den Alltag tragen — und eine Ich-Erzählerin, die ihre Lage regelmäßig kommentiert. Zur Einschränkung: Der Ton ist rauer als bei Gier, und die Reihe läuft deutlich länger als drei Bände. Wer den abgeschlossenen Bogen mochte, sollte das wissen. Bei Amazon nachsehen.
Was ich von „Silber“ halte
An dieser Stelle steht auf unseren Seiten sonst ein persönliches Urteil. Für diese Trilogie steht es noch aus — wir tragen es nach, sobald sie in der Redaktion gelesen ist, und schreiben bis dahin lieber nichts, als etwas zu behaupten.
Die anderen Bücher von Kerstin Gier
Die Silber-Trilogie umfasst „Das erste Buch der Träume“, „Das zweite Buch der Träume“ und „Das dritte Buch der Träume“. Davor liegt die Edelstein-Trilogie mit „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ — dieselbe Machart, Zeitreise statt Traumkorridor, und für die meisten Leserinnen der naheliegende nächste Schritt.
Der interessantere Hinweis steht in der Tabelle oben: „Das Wolkenschloss“ von 2017 hat nichts Übernatürliches. Es spielt in einem Schweizer Grandhotel an Silvester, ist ein Einzelband und trifft trotzdem die beiden Spalten, wegen der man Gier liest — den Ton und den Alltag. Wer die Fantasy für nebensächlich hielt, sollte dort weitermachen und nicht bei der nächsten Reihe mit Magie.
Drei Titel, die überall empfohlen werden — und warum sie hier fehlen
Düstere Jugendfantasy mit Schicksalsbund. Sie füllt die erste und zweite Spalte und lässt die dritte leer. Für Leserinnen von Gier ist das der entscheidende Verlust: Der Witz ist bei ihr kein Beiwerk, sondern die Haltung, aus der heraus erzählt wird. Ein Buch mit denselben Regeln und ohne diesen Ton fühlt sich beim Lesen an wie ein anderes Genre — und ist es auch.
„Die Spiegelreisende“ von Christelle Dabos. Sie steht in der Tabelle oben und ist keine schlechte Empfehlung, nur eine ungenaue. Das Magiesystem ist so sauber gebaut wie bei Gier, der Ton ist melancholisch statt komisch, und das Tempo ist deutlich langsamer. Wer nach Regeln sucht, ist dort richtig aufgehoben; wer nach dem Ton sucht, sollte weitergehen.
Die Edelstein-Trilogie als einzige Empfehlung. „Rubinrot“ ist der naheliegende nächste Schritt und für die meisten Leserinnen richtig — deshalb steht die Reihe oben in der Tabelle und nicht bei den Empfehlungen. Wer sie schon kennt, bekommt in Empfehlungslisten oft gar nichts anderes mehr angeboten. Genau dafür ist die untere Hälfte dieser Tabelle da.
Häufige Fragen
Muss man „Rubinrot“ vor „Silber“ gelesen haben?
Nein. Die beiden Trilogien haben nichts miteinander zu tun, außer der Autorin und der Machart.
Ab welchem Alter passt die Trilogie?
Der Verlag setzt etwa zwölf Jahre an. „Woodwalkers“ und „Percy Jackson“ liegen darunter, „Frostkuss“ eher darüber.
Gibt es eine Verfilmung?
Zur Edelstein-Trilogie gibt es drei Kinofilme, zur Silber-Trilogie nicht. Wer die Filme kennt und die Bücher noch nicht: Der komische Ton, um den es auf dieser Seite geht, kommt in den Büchern deutlich stärker durch.
Warum steht „Die Spiegelreisende“ nicht bei den Empfehlungen?
Weil sie in der Tabelle in der oberen Gruppe steht. Das Magiesystem ist so klar gebaut wie bei Gier, aber der Ton ist ein völlig anderer — melancholisch statt komisch. Wer nach Regeln sucht, ist dort richtig; wer nach dem Ton sucht, nicht.
Was liest man, wenn man Gier ausgelesen hat?
Die ehrlichste Antwort steht in der Tabelle: „Das Wolkenschloss“ von ihr selbst, obwohl es keine Fantasy ist. Danach „Zeitenzauber“, weil es dieselbe Machart mit anderem Stoff füllt.
Ab welchem Band wird die Trilogie düsterer?
Ab Band 2. Der Ton bleibt komisch, aber die Bedrohung wird konkreter. Wer Band 1 verschenkt, sollte wissen, dass die Reihe insgesamt etwas ernster endet, als sie anfängt.
Warum steht in dieser Liste so wenig Übersetztes?
Das ist kein Zufall. Der komische Ton, um den es hier geht, überlebt eine Übersetzung selten — Wortwitz und Timing sind das Erste, was verlorengeht. Drei der fünf Empfehlungen sind deshalb auf Deutsch geschrieben: „Zeitenzauber“, „Woodwalkers“ und „Tintenherz“. Wer schon einmal das Gefühl hatte, ein gelobtes Jugendbuch aus dem Englischen lese sich merkwürdig glatt, hat wahrscheinlich genau das bemerkt. Bei den beiden übersetzten Titeln der Liste — Riordan und Estep — trägt der Witz auch im Deutschen, weil er in der Situation steckt und nicht im Satzbau.
Sind die Bücher auch für Jungen interessant?
„Percy Jackson“ und „Woodwalkers“ werden von allen gelesen. Bei „Silber“ selbst ist die Erzählerin eine Sechzehnjährige, was die Vermarktung stark prägt — am Buch liegt es nicht.
Weiterlesen
Weitere Reihen mit passenden Anschlussbüchern findest du in der Übersicht Reihen und ähnliche Bücher. Thematisch am nächsten liegen die Seiten zu Twilight — dort steht „Silber“ selbst als Empfehlung — und zu „Tintenherz“. Wer wissen will, in welcher Reihenfolge mehrbändige Reihen gelesen werden, findet das unter Buchreihen in der richtigen Reihenfolge lesen. Wer eine abgeschlossene Reihe mit Wettbewerb statt Magie sucht, findet sie bei „Selection“.
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