Englische Bücher auf Deutsch finden

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Stand: April 2024.

Das Wichtigste in Kürze

  • Übersetz den Titel nicht selbst. Der deutsche Titel wird vom Verlag gewählt, nicht vom Übersetzer, und hat oft keinen Bezug zum Original. „The Hunger Games“ heißt auf Deutsch „Die Tribute von Panem“.
  • Schnellster Weg: den englischen Wikipedia-Artikel des Buchs aufrufen und in der Seitenleiste auf „Deutsch“ wechseln. Der deutsche Titel steht dann in der ersten Zeile.
  • Ohne Wikipedia-Artikel: im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek nach dem Originaltitel suchen. Übersetzungen tragen ihn im Datensatz, auch wenn er auf dem Buch nirgends steht.
  • Im Handel: Originaltitel plus das Wort „deutsch“ eingeben, dazu den Autorennamen. Der Name ist die einzige Angabe, die sich nie ändert.
  • Rechne damit, dass es keine deutsche Fassung gibt. Bei jüngeren Titeln bleibt der englische Titel häufig stehen – dann suchst du nach etwas, das nie existiert hat.
Tabelle mit zehn Romanen im Vergleich von Originaltitel und deutscher Ausgabe, eingeteilt in vier Muster: wörtlich übersetzt, neu erfunden, englischer Titel beibehalten und um einen Untertitel ergänzt.
Rostbraun markiert das Muster, dem der deutsche Titel folgt, Dunkelgrün die Fälle ohne Übersetzung. Was die Tabelle zeigt und der Text nicht wiederholt: Die Gruppe hängt nicht am Genre und nicht am Verlag – dieselben zwei Verlage stehen in mehreren Gruppen.

Warum der deutsche Titel nicht die Übersetzung ist

Ein Buchtitel ist kein Textbestandteil, sondern ein Verkaufsargument, und er wird entsprechend
entschieden. Die deutsche Lizenzausgabe soll auf dem deutschen Markt funktionieren; ob der Titel dem
englischen entspricht, spielt dabei keine Rolle. Deshalb wurde aus „The Da Vinci Code“ die
deutsche Ausgabe „Sakrileg“ – ein Wort, das im
Original nicht vorkommt.

Vier Muster sind dabei üblich, und sie erklären, warum die eigene Übersetzung als Suchbegriff so oft
ins Leere läuft:

  • Wörtlich. Sinn und Bild bleiben erhalten, etwa bei „The Book Thief“ und „Die Bücherdiebin“. Das ist der Fall, in dem die eigene Übersetzung funktioniert.
  • Neu erfunden. Der deutsche Titel benennt etwas anderes am Buch. „Me Before You“ wurde zu „Ein ganzes halbes Jahr“, „Big Little Lies“ zu „Tausend kleine Lügen“.
  • Englisch geblieben. Der Titel wird gar nicht übersetzt. Das betrifft besonders Titel für jüngere Leser: „Fourth Wing“ heißt auch auf Deutsch so, ebenso die Romane von Colleen Hoover.
  • Mit Zusatz. Der englische Titel bleibt, ein deutscher Untertitel kommt dazu: aus „Gone Girl“ wird „Gone Girl. Das perfekte Opfer“.

Dem Originaltitel ist nicht anzusehen, welches Muster greift. Das ist der eigentliche Grund, warum
diese Suche als schwierig gilt – und der Grund, aus dem der Umweg über eine Quelle schneller ist als
jeder Ratewurf.

Weg 1: über den Sprachwechsel bei Wikipedia

Für alle Bücher, die einigermaßen bekannt sind, ist das der kürzeste Weg. Den Artikel zum Buch in
der englischen Wikipedia aufrufen und in der Seitenleiste unter „Sprachen“ auf „Deutsch“ wechseln.
Existiert ein deutscher Artikel, steht der deutsche Titel in der Überschrift und der Originaltitel im
ersten Absatz.

Gibt es keinen Artikel zum Buch, dann meist einen zur Autorin. Dort steht eine Werkliste, und in
deutschen Autorenartikeln ist es üblich, hinter jedem Titel den Originaltitel und das Jahr der
deutschen Ausgabe zu nennen. Praktisch ist das sogar besser als ein Artikel zum einzelnen Buch, weil
man in einem Zug die ganze Werkliste bekommt. Einstieg:
de.wikipedia.org.

Die Grenze dieses Wegs: Unterhaltungsliteratur ohne Preise und ohne Verfilmung hat oft keinen
Artikel, und bei Reihen sind die Werklisten häufig unvollständig.

Weg 2: über den Bibliothekskatalog

Der verlässlichste Weg, und der einzige, der auch bei unbekannten Titeln funktioniert. Bibliotheken
erfassen bei Übersetzungen den Originaltitel als eigenes Feld im Datensatz. Eine Suche nach dem
englischen Titel findet deshalb die deutsche Ausgabe, obwohl auf deren Umschlag kein englisches Wort
steht.

Im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek den
Originaltitel eingeben, am besten zusammen mit dem Nachnamen. In der Trefferanzeige steht bei der
deutschen Ausgabe der Vermerk „Einheitssacht.“ oder „Originaltitel“ mit dem englischen Titel dahinter.
Damit hast du den deutschen Titel, die ISBN und das Erscheinungsjahr in einem.

Zwei Hinweise, die Zeit sparen. Die Ergebnisliste enthält jede Auflage einzeln, gern zwanzig
Einträge für ein Buch; das ist kein Fehler. Und bei Reihen lohnt es sich, nach dem Reihennamen statt
nach dem Einzeltitel zu suchen, weil die Zählung dann sichtbar wird.

Weg 3: im Handel, mit dem richtigen Suchbegriff

Wenn es schnell gehen soll und das Buch verbreitet ist, geht es auch ohne Katalog. Der Suchbegriff,
der am zuverlässigsten funktioniert, ist:

Autorenname + Originaltitel + „deutsch“

Der Autorenname ist dabei der wichtigste Teil, weil er als einziger unverändert bleibt. Das Wort
„deutsch“ sorgt dafür, dass Rezensionen und Buchhandelsseiten mit dem Hinweis auf die Übersetzung nach
oben rutschen. Der Originaltitel grenzt innerhalb des Werks ein.

Was in Shops zusätzlich hilft: die Sprache als Filter setzen. In deutschen Buchshops stehen
englische Ausgaben in denselben Trefferlisten, und bei Titeln, die englisch geblieben sind, sind beide
Ausgaben kaum auseinanderzuhalten. Der Sprachfilter ist an dieser Stelle der einzige verlässliche
Unterschied.

Weg 4: prüfen, ob es überhaupt eine deutsche Ausgabe gibt

Ein großer Teil der englischsprachigen Neuerscheinungen wird nie übersetzt. Das betrifft besonders
Reihen: Häufig erscheinen die ersten Bände auf Deutsch, und dann wird die Übersetzung eingestellt, weil
sich die Reihe nicht trägt. Für Leser ist das der ärgerlichste Fall, weil er sich wie ein
Suchproblem anfühlt und keines ist.

Der Katalogtreffer beantwortet die Frage mit: Wenn die Deutsche Nationalbibliothek keine deutsche
Ausgabe führt, gibt es keine. Ihr Bestand beruht auf der Ablieferungspflicht, nach der von jeder in
Deutschland erschienenen Veröffentlichung ein Exemplar dorthin geht.

Bei laufenden Reihen lohnt zusätzlich ein Blick auf die Seite des deutschen Verlags. Dort steht in
der Regel, ob ein weiterer Band angekündigt ist. Bleibt die Reihenseite über Jahre unverändert, ist
das die Antwort.

Der umgekehrte Fall: vom deutschen Titel zum Original

Diese Richtung ist einfacher, weil deutsche Ausgaben den Originaltitel angeben müssen. Er steht im
Impressum auf einer der ersten Seiten, meist in der Zeile „Die Originalausgabe erschien unter dem
Titel …“. Wer das Buch nicht zur Hand hat, findet dieselbe Angabe im Katalogeintrag und in der
Leseprobe der Shops, weil die Leseprobe die Impressumsseite mitliefert.

Gebraucht wird die Richtung vor allem für zwei Zwecke: um das Original zu lesen, und um beim
Zitieren die richtige Ausgabe anzugeben. Zum zweiten Fall steht eine eigene Seite hier:
Bücher zitieren.

Reihen: wo die Zählung auseinanderläuft

Bei übersetzten Reihen kommen zwei Probleme zusammen. Erstens der Titel, zweitens der Zuschnitt:
Deutsche Verlage teilen dicke Bände gelegentlich in zwei Hälften auf, jede mit eigenem Titel. Aus
sechs englischen Bänden werden dann acht deutsche, und jede Bandnummer, die man online liest, meint
etwas anderes als die Nummer auf dem Buch.

Verlässlich ist deshalb nur der Weg über den Originaltitel je Band. Wer eine englische Bandliste hat
und für jeden Titel die deutsche Entsprechung sucht, bekommt die Zuordnung eindeutig. Umgekehrt, von
der deutschen Zählung aus, geht es nicht.

Ein Beispiel im Bestand ist
Die Tribute von Panem: Reihenname und
Bandtitel wurden für den deutschen Markt neu gesetzt, und die Vorgeschichte erschien Jahre später und
ist in keiner Zählung der ersten drei Bände enthalten.

Häufige Fragen

Warum wird der Titel überhaupt geändert?

Meist aus einem von drei Gründen: Das Wortspiel des Originals lässt sich nicht übertragen, der
Titel ist im Deutschen schon vergeben, oder der Verlag hält einen anderen Titel für verkäuflicher.
Der dritte Grund ist der häufigste, und er erklärt auch, warum Neuauflagen manchmal einen anderen
Titel tragen als die Erstausgabe.

Kann ein Buch zwei deutsche Titel haben?

Ja, und das ist häufiger als vermutet. Bei Neuübersetzungen, Verlagswechseln und Filmausgaben wird
der Titel gern angepasst. Ein Buch kann als Taschenbuch anders heißen als gebunden. Eindeutig ist in
diesen Fällen nur die ISBN.

Wie finde ich heraus, wer übersetzt hat?

Der Name steht im Impressum und im Katalogeintrag. Für Leser, die viel übersetzte Literatur lesen,
ist das eine brauchbare Auswahlhilfe: Übersetzerinnen arbeiten oft über Jahre mit denselben Autoren,
und der Ton einer Übersetzung ist wiedererkennbar.

Und wenn ich weder Titel noch Autor weiß?

Dann ist das keine Übersetzungsfrage mehr, sondern eine Suche nach einem verlorenen Titel. Wie die
funktioniert, steht in
Buchtitel finden, wenn du nur die Handlung weißt.

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