Ähnliche Bücher wie „Der Gesang der Flusskrebse“ – 5 Empfehlungen nach Zutat sortiert

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Das Wichtigste in Kürze

  • „Der Gesang der Flusskrebse“ wird überall als Roman mit Gerichtsverfahren verkauft. Der Prozess macht aber nur das letzte Drittel aus, und er ist fast nie der Grund, aus dem jemand das Buch mochte.
  • Fünf Zutaten stecken darin, und kein einziges Buch liefert alle fünf. Deshalb führt die Frage „was ist ähnlich?“ zu schlechten Empfehlungen, solange nicht klar ist, welche Zutat gemeint war.
  • Wer die Marsch und das Alleinsein sucht, liest „Winters Knochen“ von Daniel Woodrell oder „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy.
  • Wer das Mädchen sucht, das sich selbst großzieht, liest „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd oder „Sturmhöhe“ von Emily Brontë.
  • Wer wirklich nur den Prozess und den Verdacht will, liest „Die stumme Patientin“, und sollte wissen, dass er damit alles andere aufgibt, was den Roman ausmacht.
  • Delia Owens hat seit 2018 keinen zweiten Roman veröffentlicht. Wer auf eine Fortsetzung wartet, wartet vergeblich.

Warum „ähnliche Bücher wie Der Gesang der Flusskrebse“ die falsche Frage ist

Das Buch hat sich weltweit über fünfzehn Millionen Mal verkauft, und es hat einen sehr merkwürdigen Nebeneffekt: Fragt man zehn Leserinnen, was ihnen daran gefallen hat, bekommt man mindestens drei völlig verschiedene Antworten. Die einen erzählen von der Marsch, von den Kapiteln, in denen kaum etwas passiert und die Landschaft mehr Raum bekommt als jede Figur. Die anderen erzählen von Kya, dem Kind, das mit sechs Jahren von allen verlassen wird und trotzdem übrig bleibt. Und die dritten erzählen vom Prozess.

Das ist deshalb ein Problem, weil die Empfehlungslisten im Netz alle dieselbe Sortierung benutzen: Sie nehmen das Etikett vom Klappentext, „bewegender Roman über eine starke Frau, mit einem Mordfall“, und liefern dann Bücher, die dieses Etikett auch tragen. Deshalb steht unter fast jeder Liste „Die stumme Patientin“ oder „Der Distelfink“. Beide Bücher sind gut. Beide sind aber für den größeren Teil der Leserinnen die falsche Antwort, weil sie genau die Zutat treffen, die am wenigsten wichtig war.

Wir haben den Roman deshalb in fünf Eigenschaften zerlegt, die man an jedem einzelnen Buch nachprüfen kann, und die Empfehlungen an denselben Maßstab gehängt. Wer eine Empfehlung will, muss zuerst sagen, welche Zeile in dieser Tabelle seiner am ähnlichsten sieht.

Zutatenprofil: neun Romane und wie stark fünf Zutaten des Gesangs der Flusskrebse in ihnen vorkommen, von Frau im Mittelpunkt bis Verdacht und Verhandlung
Grün ist der Ausgangstitel, gefüllt heißt „trifft zu“, offen „trifft nicht zu“. Nur drei der neun Zeilen haben überhaupt einen Prozess, und trotzdem ist er das, was in jedem Klappentext zuerst steht.

Man sieht sofort, was die Listen übersehen: Die Spalte ganz links ist in jeder einzelnen Zeile gefüllt. „Eine Frau im Mittelpunkt“ trifft auf alles zu, was hier steht, und sortiert deshalb nichts. Die Spalte ganz rechts, Verdacht und Verhandlung, ist dagegen in nur drei von neun Zeilen gefüllt, und genau sie wird in jedem Klappentext zuerst genannt.

Fünf Bücher, und welche Zutat sie liefern

1. „Winters Knochen“ von Daniel Woodrell

Ree Dolly ist sechzehn, lebt in den Ozark-Bergen von Missouri und hält eine Familie zusammen, die es eigentlich nicht mehr gibt: eine Mutter, die nicht mehr spricht, zwei kleine Brüder, ein Vater, der auf Kaution frei ist und verschwunden. Wenn er nicht zum Prozess erscheint, verliert die Familie das Haus. Also macht Ree sich auf die Suche, in einer Gegend, in der niemand mit ihr redet.

Das Buch ist mit knapp zweihundert Seiten deutlich kürzer und deutlich härter als Owens. Es gibt keine tröstliche Naturbeschreibung, aber die Landschaft ist genauso präsent, es ist nur eine, in der es friert.

Warum ähnlich: Ein Mädchen, das sich selbst und andere großzieht, eine Landschaft mit eigenem Gewicht, eine Gemeinschaft, die urteilt und schweigt, und im Hintergrund ein Verfahren, das über alles entscheidet. Von allen fünf Titeln kommt dieser dem Ausgangsroman am nächsten.

Was anders ist: Woodrell braucht für dieselbe Wirkung ein Drittel der Seiten. Der lange Atem der Kindheitskapitel bei Owens hat hier keine Entsprechung, und der Ton ist deutlich härter.

Für wen: Für Leser, die die Marsch und das Gerichtsverfahren wiederhaben wollen und ein kurzes, schroffes Buch einem breit erzählten vorziehen.

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2. „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy

Inti Flynn kommt mit einem Rudel Wölfe ins schottische Hochland, um sie dort wieder anzusiedeln. Die Bauern der Gegend sind dagegen, und als ein Mann tot aufgefunden wird, ist klar, wem sie die Schuld geben. Inti weiß mehr, als sie sagt, und beginnt zu vertuschen.

Das Buch von 2021 ist der modernste Titel in dieser Liste und derjenige, der die Struktur des Ausgangsromans am direktesten aufnimmt: Naturkundlerin gegen Dorf, Verdacht, ein zurückgehaltenes Wissen. McConaghy war vor diesem Roman in Australien als Autorin von Fantasy-Reihen bekannt; auf Deutsch ist sie fast ausschließlich mit ihren beiden Naturromanen präsent.

Warum ähnlich: Vier von fünf Zutaten, und zwar genau die vier, die bei Owens zusammen wirken: die Frau allein in der Wildnis, die Natur als eigene Figur, ein Dorf, das sich gegen sie stellt, und ein Verdacht, der im Raum steht.

Was anders ist: Inti ist erwachsen, wenn das Buch beginnt. Die Jahre, in denen Kya sich Kochen und Lesen selbst beibringt, gibt es hier nicht.

Für wen: Für Leser, denen die Naturschilderung und die Außenseiterin wichtig waren und die auf die Kindheitsgeschichte verzichten können.

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3. „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd

South Carolina, 1964. Lily ist vierzehn, ihre Mutter ist tot, ihr Vater schlägt sie, und sie läuft mit ihrer schwarzen Betreuerin weg, zu drei Schwestern, die Honig herstellen. Was dann kommt, ist die Ersatzfamilie, die Kya nie bekommen hat.

Der Roman ist mehr als zwanzig Jahre alt und wird in Deutschland selten empfohlen, obwohl er sich hier in derselben Kategorie bewegt: Südstaaten, ein Mädchen ohne Eltern, eine Gemeinschaft, die entscheidet, wer dazugehört. Er ist deutlich wärmer als Owens und hat kein Verbrechen im Zentrum, dafür Rassentrennung als Thema, die er nicht umschreibt.

Warum ähnlich: Drei volle Zutaten und eine halbe: ein Mädchen ohne Mutter, ein Ort, an dem es aufgenommen wird, ein Süden mit eigenen Regeln und eine Natur, die den Takt vorgibt.

Was anders ist: Die Natur ist hier gezähmt, denn ein Bienenstock ist keine Marsch. Dafür ist das Gefühl, dass ein Kind irgendwo ankommt, deutlicher ausgeschrieben als im Ausgangsroman.

Für wen: Für Leser, die es wärmer mögen und denen das Ankommen wichtiger ist als die Einsamkeit. Von den fünf Titeln der zugänglichste.

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4. „Sturmhöhe“ von Emily Brontë

Ja, ein Roman von 1847. Und die ehrlichste Empfehlung dieser Liste, wenn dir die Marsch selbst wichtig war. Das Moor in „Sturmhöhe“ ist keine Kulisse, sondern die Instanz, an der sich alle Figuren messen; wer es verlässt, wird schlechter. Heathcliff ist der Außenseiter, den die Nachbarschaft nie akzeptiert, und die Ausgrenzung treibt jede einzelne Entscheidung des Buches an.

Zur Warnung: Das Buch ist sperriger als alles andere hier, mit einer Rahmenerzählung, die viele Leser abschreckt, und einer zweiten Generation im letzten Drittel, die man oft übersieht. Wer eine gut lesbare Ausgabe will, achtet auf die Übersetzung, die älteren, gemeinfreien Fassungen sind deutlich schwerer.

Warum ähnlich: Vier von fünf Zutaten, und die Landschaft ist hier stärker gefüllt als bei Owens selbst. Das Moor bestimmt in diesem Roman, was den Figuren möglich ist.

Was anders ist: Einen Prozess gibt es nicht, und der Roman ist knapp zweihundert Jahre alt. Die Sprache verlangt mehr Geduld als jeder andere Titel dieser Liste.

Für wen: Für Leser, die die Landschaft suchen und einen Klassiker lesen wollen. Häufige Oberstufenlektüre im Englischunterricht.

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5. „Die stumme Patientin“ von Alex Michaelides

Alicia Berenson erschießt ihren Mann und spricht danach kein Wort mehr. Ein Psychotherapeut nimmt sich vor, sie zum Reden zu bringen. Das Buch ist ein Rätselroman mit einer Auflösung, auf die man kommen kann, wenn man aufpasst.

Diese Empfehlung steht hier mit einer ausdrücklichen Einschränkung. Sie trifft die rechte Spalte der Tabelle vollständig und alle anderen gar nicht: keine Landschaft, keine Kindheit, kein Dorf. Wer „Der Gesang der Flusskrebse“ wegen des Prozesses und der Frage nach der Schuld gelesen hat, bekommt hier genau das, und wird alles andere vermissen.

Warum ähnlich: Eine Zutat, und zwar die, die in fast jeder Liste als erste genannt wird: die Wendung am Ende, nach der man die erste Hälfte neu liest.

Was anders ist: Von der Natur, der Kindheit und dem Süden bleibt nichts. Das Buch ist ein reiner Psychothriller und in London angesiedelt. Mehr zu dieser Art von Erzählung steht im Beitrag über Psychothriller mit unzuverlässigen Erzählern.

Für wen: Für den kleineren Teil der Leser, die vor allem die Gerichtsspannung und die Auflösung mochten. Wer wegen der Marsch gekommen ist, nimmt einen der ersten vier Titel.

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Was ich von „Der Gesang der Flusskrebse“ halte

An dieser Stelle steht auf unseren Buchseiten sonst ein persönliches Urteil. Für diesen Roman steht es noch aus, wir tragen es nach, sobald er in der Redaktion gelesen ist, und schreiben bis dahin lieber nichts, als etwas zu behaupten.

Drei Titel, die überall empfohlen werden, und warum sie hier fehlen

„Die Frauen von Shetland“ und verwandte Inselromane. Sie werden empfohlen, weil auch dort eine Landschaft vorkommt. Der Unterschied ist die Rolle: Bei Owens hat die Marsch eigene Kapitel und eine eigene Zeitrechnung, in den meisten Inselromanen ist die Landschaft Postkarte. Man merkt das an einer einfachen Probe, streiche die Naturbeschreibungen und sieh nach, ob das Buch noch funktioniert. Bei Owens tut es das nicht.

„Der Distelfink“ von Donna Tartt. Er steht in der Tabelle oben, aber in der Gruppe der Verwechslungen. Zwei Zutaten treffen zu: Ein Kind zieht sich selbst groß, und es gibt einen Verdacht, der über Jahre nachwirkt. Was fehlt, ist alles Räumliche: Tartts Roman spielt in New York und Amsterdam, und keine Gemeinschaft urteilt über die Hauptfigur. Wer nach dem Gefühl der Marsch sucht, wird ihn nach zweihundert Seiten weglegen.

Romane über Gerichtsverfahren. John Grisham und Verwandte tauchen auf, weil der Prozess im Klappentext steht. Er macht bei Owens knapp ein Drittel aus und wird von den meisten Leserinnen als der schwächste Teil erinnert. Wenn dir gerade dieses Drittel wichtig war, ist „Die stumme Patientin“ die bessere Antwort als jeder Justizthriller, weil dort dieselbe Frage nach Schuld und Wahrnehmung gestellt wird.

Häufige Fragen

Muss ich „Der Gesang der Flusskrebse“ gelesen haben, um mit den Empfehlungen etwas anzufangen?

Nein. Die Tabelle funktioniert auch andersherum: Wenn du eines der neun Bücher kennst und mochtest, siehst du an seiner Zeile, welche Nachbarzeile am ehesten passt.

Gibt es eine Fortsetzung oder einen zweiten Roman von Delia Owens?

Nein. Owens war Wildbiologin und hat vor „Der Gesang der Flusskrebse“ gemeinsam mit ihrem damaligen Mann Sachbücher über Afrika veröffentlicht. Ein zweiter Roman ist bis August 2026 nicht erschienen und auch nicht angekündigt.

Lohnt sich der Film von 2022?

Er hält sich eng an die Handlung und kürzt vor allem das, was den Roman ausmacht: die stillen Kapitel in der Marsch. Wer das Buch wegen der Landschaft mochte, wird enttäuscht sein; wer es wegen des Prozesses mochte, bekommt eine solide Verfilmung.

Stimmt es, dass es um Delia Owens eine Kontroverse gibt?

Das gehört zur Einordnung, deshalb kurz und mit Quelle: Der „New Yorker“ beschrieb 2010 in einer Reportage von Jeffrey Goldberg die Umstände einer Erschießung, die 1995 während Dreharbeiten in Sambia gefilmt wurde, und die Rolle der Familie Owens dabei. Sambische Behörden führten Delia Owens über Jahre als Person, die sie befragen wollten. Angeklagt wurde sie nie. Wir referieren das, weil es regelmäßig gefragt wird, nicht als Urteil über den Roman.

Warum steht „Der Distelfink“ nicht bei den Empfehlungen?

Weil er in der Tabelle nur zwei Zutaten trifft. Der Junge zieht sich selbst groß, und es gibt einen Verdacht, aber es gibt keine Landschaft und kein Dorf. Er steht in fast jeder Liste, und wir halten das für den häufigsten Fehlgriff bei diesem Titel.

Welche der fünf Empfehlungen ist die härteste?

„Winters Knochen“. Der Roman spielt in einer Gegend, in der Drogenherstellung die Wirtschaft ist, und er beschönigt weder Armut noch Gewalt in der Familie. Er ist trotzdem kürzer und schneller zu lesen als der Ausgangstitel.

Gibt es einen deutschsprachigen Titel mit derselben Wirkung?

Keinen, den wir uneingeschränkt empfehlen würden. Am nächsten kommt der Beitrag über Romane mit Sehnsucht nach dem Meer, dort geht es um dieselbe Frage, welche Rolle eine Landschaft in einem Roman spielen kann.

Weiterlesen

Weitere Ausgangstitel mit passenden Anschlussbüchern findest du in der Übersicht Alle Bücher mit Empfehlungen. Thematisch am nächsten liegen die Seite zu „Die Bücherdiebin“ und der Beitrag über historische Familiensagas. Wer einen Gegenwartsroman mit schwerem Thema sucht, findet ihn auf der Seite zu ähnlichen Büchern wie die von Colleen Hoover. Wenn du gezielt nach einem Gefühl statt nach einem Genre suchst, hilft Bücher nach Stimmung suchen.

Du hast einen dieser Titel schon gelesen und brauchst den nächsten? Unsere KI-gestützte Buchsuche nimmt jeden beliebigen Titel entgegen und schlägt dir drei Anschlussbücher mit Begründung vor, auch für Bücher, die in keiner Liste auf dieser Seite stehen.

Diese Seite verantwortet Jakob Sommer. Welche Bücher ich selbst gelesen habe und wo eine Einschätzung auf Rezensionen und Verlagsangaben beruht, steht unter Die Methode.

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