Romantasy: was gemeint ist und wo man anfängt

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Stand: Februar 2025.

Das Wichtigste in Kürze

  • Romantasy ist Fantasy, in der eine Liebesgeschichte den Hauptstrang bildet. Das Wort beschreibt keine Welt und keinen Ton, sondern nur diese Gewichtung.
  • Zwei Fragen trennen das Genre, und beide stehen auf keinem Umschlag: Trägt die Liebesgeschichte die Handlung oder läuft sie mit? Und: Sind die Sexszenen ausgeschrieben oder nicht?
  • Einstieg ohne Vorwissen: Fourth Wing. Es ist kurz genug, um die eigene Reaktion zu testen, und liegt in der Mitte des Genres.
  • Wer Weltenbau will und ausgeschriebene Szenen nicht: Das Lied der Krähen oder Der Nachtzirkus. Wer beides umgekehrt will: Von Blut und Asche.
  • Bei fast allen Reihen werden die späteren Bände expliziter als der erste. Der Eindruck aus Band 1 ist deshalb kein verlässlicher Maßstab für die Reihe.
Landkarte mit sieben Romantasy-Reihen zwischen den Polen Liebesgeschichte als Handlung gegen Liebesgeschichte als Nebenstrang sowie ausgeschriebene gegen angedeutete Sexszenen, mit Fourth Wing, Das Reich der sieben Höfe und Throne of Glass als Ausgangsreihen.
Gefüllte Punkte sind die Reihen, mit denen Leser einsteigen, offene Kreise die Empfehlung an vergleichbarer Stelle. Jahreszahlen sind die der Originalausgabe. Was die Karte zeigt und der Text nicht wiederholt: Sarah J. Maas steht mit zwei Reihen in zwei verschiedenen Feldern – „von Maas“ ist deshalb keine brauchbare Empfehlung.

Was das Wort meint

Romantasy ist aus „Romance“ und „Fantasy“ zusammengezogen und bezeichnet Bücher, in denen beides
zusammenkommt. Das ist an sich nichts Neues – Liebesgeschichten gibt es in der Fantasy, seit es
Fantasy gibt. Neu ist die Gewichtung: Der Beziehungsstrang ist nicht mehr Beiwerk, sondern der
Handlungsfaden, an dem entlang erzählt wird.

Praktisch heißt das: Wenn man in einem Romantasy-Roman die Liebesgeschichte herausstreicht, bleibt
kein Buch übrig. Wenn man dasselbe bei einem Fantasyroman mit Romanze tut, bleibt die Handlung
stehen. Das ist der eigentliche Trennstrich, und er läuft quer durch Verlagsprogramme und
Autorenwerke.

Was das Wort dagegen nicht sagt: nichts über das Alter der Leser, nichts über die Länge, nichts
über den Ton und nichts über die Welt. Zwischen einem Drachenreiter-Roman und einer Feengeschichte
liegt mehr Unterschied, als das gemeinsame Etikett vermuten lässt.

Woher der Begriff kommt

Das Wort ist älter als der Boom, hat sich aber erst in den vergangenen Jahren durchgesetzt, und
zwar von außerhalb des Buchhandels. Empfehlungen liefen über kurze Videos, in denen Leserinnen ihre
Reaktion auf eine Szene zeigen statt den Inhalt zusammenzufassen. Das erklärt einen Teil der
Verwirrung: Wer über ein Buch nur die Reaktion kennt, weiß am Ende nicht, wovon es handelt.

Die Verlage haben das Etikett danach übernommen und rückwirkend auf ihr Programm angewendet.
Reihen, die zehn Jahre lang als Fantasy oder als Jugendbuch verkauft wurden, tragen seither
denselben Aufkleber wie Neuerscheinungen, die für diesen Markt geschrieben sind. Deshalb steht
auf dem Tisch im Buchladen nebeneinander, was auf der Karte oben weit auseinanderliegt.

Für die Suche folgt daraus ein praktischer Hinweis: Das Etikett taugt zum Finden, nicht zum
Auswählen. Es bringt dich an den richtigen Tisch, und ab dort musst du selbst sortieren.

Erste Frage: trägt die Liebesgeschichte?

Diese Frage entscheidet, ob ein Buch für dich zäh wird oder nicht. Sie lässt sich vor dem Kauf
beantworten, wenn man weiß, worauf man schaut.

Am Klappentext. Wird ein Gegenspieler oder ein Auftrag genannt, ist die Handlung
der Faden. Werden zwei Namen und ihr Verhältnis zueinander beschrieben, ist es die Beziehung.

An der Kapitelstruktur. Wechselnde Ich-Perspektiven zwischen zwei Figuren sind ein
sicheres Zeichen für den Beziehungsstrang. Eine durchgehende Perspektive spricht für die Handlung.

An der Bandzahl. Reihen, die nach drei Bänden enden, erzählen meist eine
Beziehung zu Ende. Reihen mit sechs und mehr Bänden brauchen eine Handlung, die trägt.

Zweite Frage: wie explizit wird es?

Das ist die Frage, die im deutschsprachigen Netz fast durchgehend umschrieben wird, und deshalb
steht sie hier deutlich. Die Bandbreite reicht von Büchern ohne jede Szene bis zu solchen, in denen
mehrere Kapitel ausgeschrieben sind.

Zwei Dinge sind dabei nützlich zu wissen:

Die Reihe wird expliziter, nicht der einzelne Band. Bei den meisten Reihen ist der
erste Band deutlich zurückhaltender als die folgenden. Wer nach Band 1 urteilt, urteilt über das
falsche Buch. Bei Das Reich der
sieben Höfe
ist der Unterschied zwischen Band 1 und Band 2 so groß, dass es faktisch zwei Reihen
sind.

Die deutsche Ausgabe kann abweichen. Bei Jugendbuchausgaben werden Szenen
gelegentlich gekürzt, und für dieselbe Reihe gibt es teils zwei Fassungen. Ein Blick auf die
Altersangabe des Verlags trennt das zuverlässiger als jede Rezension.

Der Anschluss, je nach Ausgangsreihe

Wenn es Fourth Wing war: Von Blut und Asche

Warum ähnlich: Dieselbe Bauart aus Ausbildung, Rangordnung und einer Beziehung,
die gegen die Regeln läuft, mit vergleichbarer Deutlichkeit. Armentrout schreibt langsamer und legt
mehr Gewicht auf die Welt. Was Fourth Wing
ausmacht und wo die Reihe hinführt, steht auf der eigenen Seite.

Wenn es Das Reich der sieben Höfe war: Throne of Glass

Warum ähnlich: Dieselbe Autorin, aber ein anderes Feld auf der Karte – mehr
Handlung, weniger Beziehung, und der Ton ist zu Beginn jugendlicher. Wer bei den sieben Höfen die
Welt mochte und die Menge an Beziehungskapiteln nicht, ist hier richtig. Umgekehrt gilt das
ausdrücklich nicht. Beide Reihen sind auf der Seite
zu Sarah J. Maas
gegenübergestellt.

Wenn es Throne of Glass war: Das Lied der Krähen

Warum ähnlich: Eine Gruppe, ein Auftrag, ein Plan, der schiefgeht – und Beziehungen,
die zwischen den Kapiteln stattfinden statt in ihnen. Bardugo ist kürzer und straffer erzählt und
setzt kein Wissen über die Vorgängerreihe voraus, obwohl sie in derselben Welt spielt.

Wenn du keine expliziten Szenen willst: Der Nachtzirkus

Warum: Eine Liebesgeschichte, die den Hauptstrang bildet, ohne dass eine einzige
Szene ausgeschrieben wird – der seltene Fall auf der linken Seite der Karte unten. Der Preis ist das
Tempo: Das Buch lebt von Atmosphäre, nicht von Ereignissen.

Womit man anfängt

Wer noch keines gelesen hat, fängt mit einem Einzelband oder einem ersten Band an, nicht mit einer
Reihe, die bereits sechs Bände hat. Das klingt selbstverständlich und wird trotzdem regelmäßig
anders gemacht, weil auf den Bestsellerlisten immer der neueste Band steht.

Fourth Wing ist der brauchbarste Test, weil es in der Mitte der Karte liegt: genug
Handlung, um zu merken, ob einen der Weltenbau interessiert, genug Beziehung, um zu merken, ob einem
das reicht. Nach etwa hundert Seiten weiß man, in welche Richtung es weitergehen soll.

Die zweite Frage vor dem Kauf ist die Reihenlänge. Laufende Reihen ohne Abschluss sind in diesem
Genre die Regel, und mehrere große Reihen warten seit Jahren auf ihren letzten Band. Wer das nicht
möchte, sucht gezielt nach abgeschlossenen Trilogien.

Reihenfolge und die üblichen Fallen

Romantasy-Reihen haben zwei Eigenheiten, die beim Kauf Geld kosten:

  • Nebenreihen mit eigener Zählung. Erfolgreiche Welten bekommen Ableger um Nebenfiguren, die wieder bei Band 1 anfangen und denselben Reihennamen auf dem Umschlag tragen.
  • Novellen zwischen den Bänden. Kurztexte laufen unter halben Nummern und sind im Handel oft nicht als solche erkennbar.

Beides gehört zur Bauart „eine Welt, mehrere Stränge“ – welche Regel dafür gilt, steht in
Buchreihen in der
richtigen Reihenfolge lesen
.

Häufige Fragen

Ist Romantasy dasselbe wie New Adult?

Nein. „New Adult“ beschreibt die Altersgruppe der Figuren, meist Anfang zwanzig, und sagt nichts
über die Welt. Ein Romantasy-Roman kann New Adult sein, muss es aber nicht, und die meisten
New-Adult-Romane haben mit Fantasy nichts zu tun.

Ab welchem Alter sind diese Bücher geeignet?

Das lässt sich nicht am Genre festmachen, sondern nur am einzelnen Titel. Die Verlagsangabe ist der
verlässlichste Hinweis, weil sie sich auf die konkrete Ausgabe bezieht. Bei Reihen lohnt der Blick auf
die Angabe des letzten erschienenen Bandes, nicht des ersten.

Warum tragen so viele dieser Bücher englische Titel?

Weil die Zielgruppe die Bücher auf Englisch entdeckt, bevor die Übersetzung erscheint, und der
Titel dann als Wiedererkennungsmerkmal stehen bleibt. Bei Fourth Wing und Throne of
Glass
ist das der Fall.

Gibt es Romantasy auf Deutsch geschrieben?

Ja, und der Anteil wächst. Sturmtochter ist ein Beispiel für eine Reihe, die im deutschen
Markt entstanden ist. Der Unterschied fällt weniger im Ton auf als in der Länge: Deutsche Reihen
dieser Art sind meist kürzer und schließen ab.

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