Buchtitel finden, wenn du nur die Handlung weißt

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Stand: Januar 2024.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn ein Satz oder ein Eigenname aus dem Buch noch da ist: bei Google Books in Anführungszeichen danach suchen. Das durchsucht den Buchtext, nicht den Katalogeintrag. Die meisten Fälle sind damit in zwei Minuten erledigt.
  • Wenn nur eine Szene da ist und kein Wortlaut: in ein Suchforum damit. Eine Szene ist für Suchmaschinen nichts, für Vielleser dagegen oft ein sofortiger Treffer.
  • Genre eingrenzen und Listen durchgehen ist der langsamste Weg. Er lohnt nur, wenn du das Jahr kennst, in dem du gelesen hast.
  • Vier Angaben tragen eine Suche: ungewöhnlicher Wortlaut, Eigenname, Zeitraum der Lektüre, Schauplatz. Coverfarbe, Buchdicke und „es war spannend“ tragen keine.
  • Wenn außer „es war so ähnlich wie X“ nichts mehr übrig ist, such nicht weiter nach dem Buch. Such von X aus.
Wegweiser mit fünf Türen: an den Wortlaut erinnern führt zur Volltextsuche, an eine Szene zum Suchforum, an das Cover zum Katalog mit Coveransicht, an Ort und Zeit zur Jahrgangsliste, an ein Nachbarbuch zur Ähnlichkeitssuche.
Rostbraun markiert die Wege, auf denen eine Maschine mitliest, Hellbraun die, für die es Menschen oder einen Umweg braucht. Was die Karte zeigt und der Text nicht wiederholt: Die fünf Türen schließen sich gegenseitig nicht aus, aber sie lassen sich nur nacheinander öffnen. Wer alle Merkmale in ein Suchfeld schreibt, bekommt weniger Treffer als mit dreien.

Warum die naheliegende Suche nichts findet

Der übliche erste Versuch lautet ungefähr so: „Buch über einen Jungen, der bei seiner Tante aufwächst
und ein Geheimnis über seine Eltern erfährt“. Das führt zuverlässig ins Leere, und zwar aus einem
technischen Grund.

Was eine Suchmaschine von einem Buch kennt, sind in aller Regel die Angaben über das Buch:
Titel, Untertitel, Klappentext, Verlagsangaben, Rezensionen. Der Text im Buch ist nicht dabei.
Klappentexte sind aber Werbetexte und folgen wenigen Mustern. „Ein Junge, ein Geheimnis, eine Reise“
steht sinngemäß auf einigen tausend Rücken. Die Anfrage trifft also nicht daneben, sie trifft zu viel.

Daraus folgt die Regel, an der sich der Rest dieser Seite entlanghangelt: Such nach dem, was
im Buch steht, nicht nach dem, wovon es handelt.
Ein Satz aus dem Text ist ein Fingerabdruck.
Eine Inhaltsangabe ist eine Personenbeschreibung, und die passt auf viele.

Vier Merkmale, die eine Suche tragen

Ein ungewöhnlicher Wortlaut

Drei bis fünf Wörter genügen, wenn sie in dieser Reihenfolge selten vorkommen. „Sie ging zur Tür“
ist wertlos. „Der Hafen roch nach Diesel und Anis“ ist ein Treffer oder nichts, und beides bringt dich
weiter. Auch Kapitelüberschriften und Widmungen zählen: Sie stehen im Buchtext und sind meist eigenwillig
genug.

Ein Eigenname

Figurennamen, Ortsnamen, Namen von Schiffen, Pferden, Firmen. Der Vorteil gegenüber dem Wortlaut:
Namen überleben im Gedächtnis länger als Sätze, und sie sind auch dann brauchbar, wenn du dich beim Rest
irrst. Vorsicht bei Übersetzungen aus dem Englischen: Kinderbuchnamen werden oft eingedeutscht, Ortsnamen
manchmal auch. Wenn ein Name nichts findet, ist er womöglich nicht der Name des Originals.

Der Zeitraum, in dem du gelesen hast

Nicht das Erscheinungsjahr, das kennst du ohnehin nicht. Gemeint ist der Zeitraum deiner Lektüre, und
der lässt sich fast immer eingrenzen: Klassenstufe, Wohnort, wer dir das Buch gegeben hat. Ein Buch, das
du in der siebten Klasse aus der Schulbibliothek hattest, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vor diesem
Schuljahr erschienen und in dieser Zeit verbreitet gewesen. Damit fällt der halbe Buchmarkt weg.

Der Schauplatz

Land, Stadt, Landschaft, Jahrhundert. Schauplätze bleiben im Gedächtnis, weil sie Bilder sind, und
sie stehen anders als eine Szene meistens im Klappentext. „Roman, der in Neapel spielt“ ist eine Anfrage,
die funktioniert. Für diesen Weg gibt es hier eine eigene Übersicht:
Bücher, die in bestimmten Städten spielen.

Was dagegen nicht trägt: die Farbe des Covers, die Dicke des Buchs, das Format, die Schriftgröße,
der Umstand, dass es spannend oder traurig war. Diese Angaben beschreiben deine Erinnerung an einen
Gegenstand, nicht das Werk. Sie werden erst dann nützlich, wenn du bereits eine Trefferliste hast und
daraus auswählen musst.

Tür 1: die Volltextsuche

Google Books hat Millionen Bücher eingescannt, darunter viele, die nicht vollständig lesbar sind.
Durchsuchbar sind sie trotzdem: Die Trefferanzeige zeigt dann nur die Fundstelle mit Titel. Genau das
brauchst du.

Praktisch geht das so: die erinnerte Passage bei
Google Books in doppelte Anführungszeichen setzen
und suchen. Kein Treffer? Dann die Passage kürzen, nicht verlängern. Vier Wörter, an denen du dir sicher
bist, sind besser als zwölf, bei denen du zwei Verben geraten hast. Die Suche findet exakte Zeichenfolgen
und verzeiht nichts.

Zwei Fallen sind häufig. Erstens die Übersetzung: Wenn du ein aus dem Englischen übersetztes Buch
suchst, hängt der Wortlaut vom Übersetzer ab, und ein Satz kann in zwei Ausgaben verschieden lauten.
Zweitens die Rechtschreibreform. Bei Büchern von vor 1996 lohnt der zweite Versuch mit „daß“ statt
„dass“.

Wenn eine Passage nichts findet und du sicher bist, dass sie stimmt, ist das ebenfalls eine
Information: Das Buch ist dann wahrscheinlich nicht digitalisiert. Das trifft besonders auf
Kinderbücher kleiner Verlage aus den Achtzigern und Neunzigern zu. Damit bist du bei Tür 2.

Tür 2: Menschen fragen, die viel gelesen haben

Für eine Szene ohne Wortlaut gibt es kein technisches Verfahren. Es gibt aber Foren, in denen genau
diese Frage seit Jahren gestellt und beantwortet wird, oft binnen Stunden. Im deutschsprachigen Raum ist
das Unterforum
„Ich suche …“ der Büchereule
die verlässlichste Anlaufstelle; für englischsprachige Titel gibt es größere Foren auf Reddit und bei
Goodreads.

Ob dir dort jemand hilft, hängt weniger vom Glück ab als von der Form deiner Frage. Was in eine gute
Anfrage gehört:

  • Wann du es gelesen hast, nicht wann es erschienen ist. Beim Erscheinungsjahr liegen fast alle daneben, und eine falsche Jahreszahl schließt den richtigen Vorschlag aus.
  • Sprache und Ausgabe: deutsche Ausgabe, Taschenbuch, Bibliothek oder gekauft.
  • Zwei bis drei Szenen statt einer Inhaltsangabe. Konkrete Bilder werden wiedererkannt, Zusammenfassungen nicht.
  • Was du schon ausgeschlossen hast. Sonst bekommst du dreimal denselben Vorschlag.

Was nicht hineingehört: Vermutungen über das Genre. Wer schreibt „es war wohl ein Krimi“, hält alle
davon ab, an den Jugendroman zu denken, der es tatsächlich war.

Tür 3: über das Cover

Das Coverbild ist als Suchbegriff schlecht und als Erkennungshilfe gut. Der Weg führt deshalb
umgekehrt: erst über andere Merkmale eine Liste erzeugen, dann die Cover ansehen.

Dafür brauchst du einen Katalog, der Bilder zeigt und nach Jahr filtern kann. Der Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet jede in
Deutschland erschienene Veröffentlichung und lässt sich nach Erscheinungsjahr, Sprache und Schlagwort
einschränken. Für Bücher, die seit Jahren nicht mehr aufgelegt werden, ist er die einzige vollständige
Quelle. Antiquariatsportale sind bequemer zu bedienen und zeigen mehr Cover, führen aber nur, was gerade
jemand verkauft.

Eine Einschränkung, die Zeit spart: Bei Neuauflagen wechselt das Cover. Das Buch, das du im Kopf hast,
kann heute unter einem völlig anderen Bild im Regal stehen. Das gilt besonders für Titel, die verfilmt
wurden.

Tür 4: über das Jahr

Wenn du weißt, wann du gelesen hast, aber nichts weiter, dann geh über Listen. Was in einem Jahr viel
gelesen wurde, steht in den Jahresbestsellerlisten, und es ist wahrscheinlicher, dass dein halb
vergessenes Buch dort auftaucht, als dass es ein Titel mit 400 verkauften Exemplaren war.

Zwei Listen dieser Art stehen hier:
die meistverkauften Bücher zwischen 2000 und 2010
und die meistverkauften Bücher überhaupt. Die
zweite ist der schnellere Test, weil sie über Jahrzehnte reicht.

Für Schullektüre gilt derselbe Trick mit einer anderen Liste: Die Titel, die in einem Bundesland als
Klassenlektüre gelesen werden, wechseln langsam, und es sind je Klassenstufe selten mehr als zwanzig.
Wer sich an das Schuljahr erinnert, hat damit eine überschaubare Liste statt eines Buchmarkts.

Tür 5: über ein Buch, das du noch weißt

Der häufigste Fall ist nicht „ich weiß gar nichts mehr“, sondern „ich weiß noch, was daneben stand“.
Jemand erinnert sich an einen Titel aus derselben Reihe, an ein Buch derselben Autorin oder an das
Buch, das ihm damals zusammen mit dem gesuchten empfohlen wurde.

Dann ist die Suche nach dem verlorenen Titel ein Umweg. Der direkte Weg geht vom bekannten Buch aus
zu dem, was daneben liegt. Genau dafür ist die
Buchsuche
auf dieser Seite gebaut: Titel eingeben, Empfehlungen bekommen. Wer lieber selbst blättert, findet in der
Werkliste die Titel mit eigener Seite.

Das führt oft nicht zu dem einen gesuchten Buch, sondern zu dem Regal, in dem es steht. Erfahrungsgemäß
reicht das: Sobald der Titel wieder vor Augen steht, erkennt man ihn.

Der häufigste Fall: ein Kinderbuch aus der eigenen Schulzeit

Kinderbücher sind schwerer wiederzufinden als Romane für Erwachsene, und dafür gibt es drei Gründe,
die sich kennen lohnt.

Erstens erinnern sich Erwachsene an Kinderbücher in Bildern, nicht in Sätzen. Tür 1 fällt damit meist
aus. Zweitens sind viele dieser Bücher nicht digitalisiert, weil die Verlage klein waren oder es sie
nicht mehr gibt. Drittens verschiebt sich die Erinnerung: Die Handlung wird über die Jahre dramatischer,
das Kind im Buch jünger, das Buch selbst dicker.

Was hilft, ist die Kombination aus Tür 4 und Tür 2. Erst den Zeitraum festnageln, dann in einem Forum
fragen und den Zeitraum dazuschreiben. Und den Hinweis dazusetzen, dass du dir bei der Handlung nicht
sicher bist. Wer das schreibt, bekommt Vorschläge, die er sonst nicht bekommen hätte.

Häufige Fragen

Gibt es eine Suchmaschine, die Bücher nach Inhalt durchsucht?

Nach Volltext ja, nach Inhalt nein. Google Books durchsucht gescannte Buchseiten und findet damit
Formulierungen. Eine Suche nach „Buch, in dem ein Mädchen einen Fuchs findet“ beantwortet keines der
großen Portale, weil dazu jemand die Handlung erfasst haben müsste. Bei bekannten Titeln übernehmen das
Rezensionen und Wikipedia-Artikel, bei unbekannten niemand.

Ich erinnere mich nur an das Ende. Hilft das?

Ja, und mehr als der Anfang. Anfänge ähneln sich, Enden sind eigenwillig, und Leser diskutieren sie.
Wer in einem Forum ein Ende beschreibt, bekommt oft schneller eine Antwort als mit einer Inhaltsangabe.
Setz eine Spoilerwarnung davor, sonst wird die Frage in manchen Foren entfernt.

Hilft es, den Klappentext nachzuerzählen?

Wenig. Klappentexte sind gerade so formuliert, dass sie auf viele Bücher passen, und ihre
Wiedergabe aus dem Gedächtnis ist dann eine Beschreibung, die noch weiter streut. Eine einzige konkrete
Szene bringt mehr als drei Sätze Zusammenfassung.

Kann ich nach einem Cover suchen, von dem ich ein Foto habe?

Wenn du ein Bild hast, ist die umgekehrte Bildersuche der schnellste Weg, und sie führt bei
verbreiteten Ausgaben fast immer zum Ziel. Ein aus dem Gedächtnis gezeichnetes oder beschriebenes Cover
funktioniert dagegen nicht: Die Bildersuche vergleicht Bilder, nicht Beschreibungen.

Was tun, wenn ich das Buch nur als Hörbuch kenne?

Dann fehlt dir der Wortlaut nicht, sondern die Schreibweise. Namen, die du nur gehört hast, schreibst
du beim Suchen womöglich falsch. Probier zwei bis drei Schreibvarianten und such zusätzlich nach dem
Sprecher: Hörbuchsprecher sind katalogisiert, und ihre Titellisten sind kurz genug zum Durchsehen.

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